{"id":1015,"date":"2009-08-27T07:15:16","date_gmt":"2009-08-27T06:15:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/?p=1015"},"modified":"2009-08-27T07:17:37","modified_gmt":"2009-08-27T06:17:37","slug":"inglorious-bastards","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/archive\/1015","title":{"rendered":"Inglorious Bastards"},"content":{"rendered":"\t<p>So sehr wie dem Schleusenw&#228;chter lief mir zwar nicht das Wasser im Mund zusammen. Dazu ist mir das Thema zwar vertraut und gerade aus diesem Grund unheimlich. Jedoch war ich auch &#252;berrascht. Vielleicht ist das eine Ver&#228;nderung bei Herrn Tarantino. Subtil waren die Einstellungen selten gewesen. Umso mehr &#252;berascht es, dass vor allem die ruhigen, sprachbetonten Szenen derart gelingen, dass sie grausamer werden als jede Tonne des beim Regisseur so &#252;blichen Theaterbluts. Die furchtbarste Szene gibt es gleich am Anfang. Dass das &#252;bliche Suppression-to-Revenge Skript zwar angeschnitten aber nicht (wenigstens nicht in der &#252;blichen Art) ausgespielt wird, tut sein &#252;briges und verweist (am Ende auch sehr offensichtlich) auf die seinerzeit vorhersehbaren (aber nicht vorhergesehenen) M&#228;ngel der Vergangenheitsbew&#228;ltigung.<\/p>\n\n\t<p>Mehr Worte lie&#223;en sich &#252;ber bewusst gesteuerte Farbakzente setzen, sind aber in einer Interpretation au&#223;erhalb des Films missverst&#228;ndlich und auch gegen Ende nicht so wichtig. Selbstverst&#228;ndlich bedient der Film Clich&#233;s. Einige dieser Clich&#233;s w&#228;ren noch zu &#252;berwinden, damit das in sich Kaltbl&#252;tige, das rationionalisierte Vernichten, noch eindrucksvoller w&#228;re. Ob sich das &#252;berhaupt filmisch umsetzen l&#228;sst, ist eine andere Frage. In den Redewendungen kommen einem auch aktuelle Arten, Furchtbares zu rechtfertigen (mit Sicherheit absichtlich) recht bekannt vor. Aus einer wenig &#252;berschaubaren (weil gewaltigen) Menge an restloser Verachtung allen Menschlichen ist es Tarantino gelungen, einen Faden herauszul&#246;sen und uns gerade <em>wegen<\/em> der recht offensichtlichen historischen Abweichung viele noch heute halb-offensichtlich gehaltene Gegebenheiten sozusagen als Bumerang zweiter Ordnung wieder direkt ins Gesicht zu spielen.<\/p>\n\n\t<p>Die schauspielerische Leistung des Herrn Walz in diesem Film ist in der Tat beeindruckend, was weniger mundet sondern einen &#228;u&#223;erst bitteren Eindruck zeichnet und deswegen sogar &#252;ber den Film hinaus weist: Im Einzelnen wird das Handeln vorstellbarer (nicht nachvollziehbarer!) und deswegen auch subjektiv noch widerw&#228;rtiger.<\/p>\n\n\t<p>Kritker haben dem Film bisweilen eine fahrl&#228;ssige Leichtfertigkeit attestiert (Jens Jessen in <span class=\"caps\">DIE ZEIT<\/span>). Das kann ich in diesem Fall kaum nachvollziehen, obschon andere US-amerikanische Filmproduktionen sich diesem Vorwurf sicher oft zu recht stellen m&#252;ssen. Wie ein Scherz wirkt Tarantinos Film nun wirklich nicht. Ich verstehe aber wie man das verwechseln kann: Die von Tarantino oft eingesetzte Absurdit&#228;t gro&#223;er Gewaltexzesse erzeugt eine stille, unheimliche Verfremdung und weist darauf hin, dass die Gr&#228;uel der &#8211; auch im Kino nur symbolisch &#8211; dargestellten Handlungen im Grunde weder darstellbar noch nachvollziehbar sein k&#246;nnen. Das ist zwar nicht der einzige Weg dramaturgischer Analyse von im Grunde Undarstellbarem, aber es ist einer.<\/p>\n\n\t<p>Der Film ist durchaus sehenswert. Man muss den Umst&#228;nden entsprechend viel Gewalt erwarten: Sowohl direkt-grafisch als auch symbolisch als auch sprachlich.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\t<p>So sehr wie dem Schleusenw&#228;chter lief mir zwar nicht das Wasser im Mund zusammen. Dazu ist mir das Thema zwar vertraut und gerade aus diesem Grund unheimlich. Jedoch war ich auch &#252;berrascht. Vielleicht ist das eine Ver&#228;nderung bei Herrn Tarantino. Subtil waren die Einstellungen selten gewesen. Umso mehr &#252;berascht es, dass vor allem die ruhigen, [&hellip;]<\/p>\n ","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1015"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1015"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1015\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1018,"href":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1015\/revisions\/1018"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1015"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1015"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1015"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}