{"id":1376,"date":"2010-04-22T23:30:11","date_gmt":"2010-04-22T21:30:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/?p=1376"},"modified":"2010-05-19T09:02:47","modified_gmt":"2010-05-19T07:02:47","slug":"auf-dem-weg-nach-kiel-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/archive\/1376","title":{"rendered":"Auf dem Weg nach Kiel, Teil 2"},"content":{"rendered":"\t<p>Zum einen muss ich hier endlich noch einen sinnlosen Pseudo-Anglizismus in den Rahmen schottern. Erstens weil er passt, zweitens, weil&#8217;s scheinbar noch nie au&#223;er Mode war und drittens, damit &#8220;Prokrastination&#8221; endlich nicht mehr der Spitzenreiter&#160; des Unsinns ist. Ist doch wahr!<\/p>\n\n\t<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1378\" title=\"Sonnenuntergang im Norden D&#228;nemarks\" src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/clsonnenuntergang.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/clsonnenuntergang.jpg 350w, https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/clsonnenuntergang-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n\n\t<p>Der Sonnenuntergang &#252;ber dem Meer war also <em>gorg&#246;s<\/em>! Bitte, ich m&#246;chte das jetzt nicht auch noch kommentieren m&#252;ssen. Weil nicht Sonntag ist, bekomme ich sowieso eine daf&#252;r rein. Bumms. In Ermangelung vorhandener Scharfrichter\/innen, die das in meinem Interesse lieber unternommen h&#228;tten. Alle &#196;sthetik hat sowie die Sonne f&#252;r sich beansprucht. Schluss nun. Man wies mir einen Tisch zu. Zum Gebrauch des Buffets, mehr noch: des nachgeschalteten Vorgangs halbwegs kontrollierter Nahrungsaufnahme. Direkt neben einem Klavierspierler, der zun&#228;chst scheinbar nur zu unfertig und zu leicht mit Talent ausgestattet zu sein schien. Es stellte sich jedoch heraus, dass er aus gutem Grund keine Lust hatte, die Leute mit seichtem, ungepfeffertem Brei klanglicher Natur lautlich zu bespeisen. Als er jedoch auch nur merkte, dass maximal zwei Leute sonst noch im Raum waren, die sich f&#252;r etwas Musik durchaus begeistern k&#246;nnten, hat er zwischendurch etwas losgelegt. Ganz offensichtlich nur im Rahmen seines Vertrages, aber dann stets mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Eigentlich wollte ich dem armen Gequ&#228;lten einen ausgeben. Doch der darf das nicht. Morgens fr&#252;h m&#252;ssen alle immer zum Alkoholtest antreten. Sagt jedenfalls einer der Kellner. Sonst fl&#246;gen sie raus. Dennoch geh&#246;rt das Personal hier zum gutgelauntesten, was auf dem Schiff heruml&#228;uft.<\/p>\n\n\t<p>Die nebeneinander herlaufenden Skripte, wohl weitestgehend nach Nationalit&#228;t getrennt, f&#252;hren beide nicht zum Erfolg. Sie nebeneinander her existieren zu sehen, bereitet eine voyeuristische Freude: Die Norweger (also die bis 45 etwa) sind ab 21 Uhr komplett besoffen. Der Alkohol ist, ach, sagen wir mal jetzt lieber nicht &#8220;billig&#8221; (denn das w&#228;re falsch), aber deutlich g&#252;nstiger als in Norwegen. Alsdann h&#228;ngen sie im Ausschnitt der &#252;ber diesen Tatbestand nur oberfl&#228;chlich pikierten deutschen Ehefrauen. Die M&#228;nner sehen dabei gelangweilt zu. Manch ein Deutscher r&#252;mpft die Nase. Insgeheim wohl an den eigenen, gut geplanten Ausbruch erinnernd, der, auch das wei&#223; man, niemals stattfinden wird.<\/p>\n\n\t<p>Zum Erfolg f&#252;hrt, wie bereits erw&#228;hnt, beides nicht. Und so h&#246;ren wir den Club der einsamen Herzen und den treuen alten Sergeanten, irgendwo sogar fast Orignal-&#196;hnlich. Aber nat&#252;rlich weichgesp&#252;lt und verklimperchromt. Und, keinen wundert&#8217;s so richtig, der Lagerkoller, er ers&#228;uft auf der einen Seite und verstaubt j&#228;mmerlich auf der anderen.<\/p>\n\n\t<p>Das ist also das altbekannte Bild, eing&#228;ngig und einschl&#228;gig bekannt von den Dorfdiskos bis hin zu den angesagten Clubs der Metropolen. Skripte, die auf frische stets jugendlich naive Art und an Orten &#228;u&#223;erster und eleganter Berechnung der Untiefen der menschlichen Natur zum Mi&#223;erfolg f&#252;hren. Offenbar mit einer Menge Hoffnung zwischendrin. Hat man doch vorher noch unter Aufwand des m&#252;hsam&#8212;nagut von Norweger Seite wohl weniger m&#252;hsam&#8212;Ersparten, alle Devotionalien aus Aphroditens (wahlweise Freyas) Garten zusammengebastelt: Wieder nichts. Einfach w&#228;rs. Ist der Mensch auch ein Rudeltier, so ist er doch im Rudel ein einsamer Wolf. Und das soll das erfolgreichste Raubtier der Welt sein? Da lachen ja, naja wohl eher nicht, die H&#252;hner dr&#252;ber. Nach dem guten Buffet wahlweise, Verzeihung, wahlfrei auch drunter&#8230; also, sie lachen drunter, weil sie ja und&#8230; ach, man darf sowas nicht erkl&#228;ren, sonst gibt&#8217;s nur wieder noch mehr verdiente Haue!<\/p>\n\n\t<p>Da bleibt mir nur ein arrogantes Zur&#252;cklehnen, &#252;ber das ich bevor&#8217;s richtig vorbei ist schon wieder selbst lachen muss, und ein Zitat von Clara, das insbesondere in seiner kontextfreien Variante eines der m&#228;chtigsten ist, die meinem Kopf je im Ged&#228;chtnis bleiben durften:<\/p>\n\n\t<p>&#8220;Die armen Menschen!&#8221; (Barth, 2009)<\/p>\n\n\t<p>Ich selbst spiele einen kindlichen Ausz&#228;hlreim, als w&#252;sste ich nicht, dass die durch zwei teilbaren Varianten der aggresiv-gutm&#252;tigen und falsche Fairness vorgaukelnden Sch&#252;ttler, stets immer wieder die gleiche Entscheidung hervorbringen. Der Inhalt und trockene Ausgang ist der geneigten Leserin sicher bereits seit meinem Hotelbericht aus Oslo bekannt. Man gibt sein Bestes f&#252;r die Tr&#228;ume neben den Tr&#228;umen. Man k&#246;nnte auch sagen: die Tr&#228;ume nebenan.<\/p>\n\n\t<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1380\" title=\"Nebenbett neben Bett\" src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/clnebenbettnebenbett.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"239\" srcset=\"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/clnebenbettnebenbett.jpg 350w, https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/clnebenbettnebenbett-300x204.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n\n\t<p>Allm&#228;hlich begebe ich mich mal an meine Hausaufgaben&#8212;sets und in guter alter Tradition zu allerletzt&#8212;und setze mich dazu in das faktische Nebenbett neben dem Bett. Es ist inzwischen selbstverst&#228;ndlich dunkel geworden.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\t<p>Zum einen muss ich hier endlich noch einen sinnlosen Pseudo-Anglizismus in den Rahmen schottern. Erstens weil er passt, zweitens, weil&#8217;s scheinbar noch nie au&#223;er Mode war und drittens, damit &#8220;Prokrastination&#8221; endlich nicht mehr der Spitzenreiter&#160; des Unsinns ist. Ist doch wahr! Der Sonnenuntergang &#252;ber dem Meer war also gorg&#246;s! 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