{"id":1618,"date":"2010-08-10T14:11:56","date_gmt":"2010-08-10T12:11:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/?p=1618"},"modified":"2010-08-10T14:11:56","modified_gmt":"2010-08-10T12:11:56","slug":"veranderungen-im-funften-stock","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/archive\/1618","title":{"rendered":"Ver\u00e4nderungen im f\u00fcnften Stock"},"content":{"rendered":"\t<p>Es wird etwas ver&#228;ndert im f&#252;nften Stock. Ich h&#246;re eindeutig Werkzeug, H&#228;mmer vor allem. Niemand sonst scheint es zu bemerken. Genau genommen lassen es sich alle nicht anmerken. Der Seiler l&#228;sst mich rufen, in den dritten Stock. Selbstverst&#228;ndlich folge ich dem Ruf. Ich soll zum ersten Mal beim Kn&#252;pfen helfen. Das ist f&#252;r mich eine gro&#223;e Ehre, sind meine H&#228;nde doch immer noch so ungeschickt an den frischen Seilen. Bei ihm angekommen, erz&#228;hlt er mir Belanglosigkeiten, ineressiert sich nicht sonderlich f&#252;r das Gekn&#252;pfte. Das ist eine Ablenkungstaktik. Aber es ist unh&#246;flich, den Seiler zu unterbrechen. Also h&#246;re ich zu und kn&#252;pfe. Besonders die Knoten gelingen mir heute nicht, und den Seiler interessiert das nicht wie ihn das sonst interessieren w&#252;rde. &#220;blicherweise regt er sich ziemlich auf. Auch er reagiert nicht auf die Ver&#228;nderungen im dritten Stock. Ich kn&#252;pfe eine halbe Ewigkeit bis meine H&#228;nde schmerzen. Das Handwerk ist mir noch merklich neu. An die drei&#223;ig Seile gelingen mir trotz meiner Tollpatschigkeit. Der Seiler nimmt sie auf, begutachtet sie wohlwollend, sieht mich an und sagt: &#8220;Das hat der Peter gut hinbekommen, wir m&#252;ssen stolz auf ihn sein&#8221;. Ich will entgegnen, dass ich doch derjenige war, der, zugegebenerma&#223;en mit reichlich Ungeschick bei den restlichen Versuchen, diese Seile gekn&#252;pft habe. Ganz allein und vor seinen Augen. Doch man widerspricht dem Seiler nicht. Schon gar nicht im Seilerhaus. Und kurz darauf schlendert Peter vorbei. Freut sich, lacht, zeigt auf seine Seile, guckt den Seiler an. &#8220;Hab&#8217; ich diesmal doch wieder gut hinbekommen. Man stell&#8217; sich das vor, fast h&#228;tte Marie diese Seile f&#252;r ihre eigenen ausgegeben. Das nervt jedes Mal.&#8221; Ich wei&#223; nicht so recht, ob das geplant war oder einfach nur zuf&#228;llig die ganze Szene v&#246;llig falsch abgebogen ist. Ich lache, fast sogar laut, und sehe zu, wie Peter meine Seile auf dem R&#252;cken wegtr&#228;gt. Auch der Seiler erhebt sich von seinem gro&#223;en Stuhl und geht durch eine der zahlreichen T&#252;ren aus dem gro&#223;en Raum. Das Werkeln im f&#252;nften Stock hat inzwischen aufgeh&#246;rt. Es ist wohl nicht fertig, sie werden morgen weiter werkeln. Warum ich nicht hoch darf, erfahre ich nicht. Ich gehe in den ersten Stock, sehe ein paar Neuank&#246;mmlinge. Sie blicken ehrf&#252;rchtig zum kleinen Portrait des Seilers hoch, das jemand ohne das Wissen und die Zustimmung des Seilers dort aufgeh&#228;ngt hatte. Sie haben ihr B&#252;ndel dabei. Auf in den dritten Stock. Ich beschlie&#223;e ein paar von ihnen zusammen zu trommeln und ihnen eine Geschichte aus dem Seilerhaus zu erz&#228;hlen. Sie blicken erstaunt und etwas verwirrt. Manche wollen lieber gleich loslegen. Mit den Seilen oder auch mit dem qu&#228;len oder gequ&#228;lt werden. Nicht alle, die hier sind, sind so. Aber doch &#252;berraschend viele. Zwei bleiben bei mir und verw&#246;hnen mich mit einem Bad in Rote Beete Milchschaum. Die S&#228;ure des Safts dringt unter meine Haut, kippt leicht &#252;ber die Schmerzgrenze. Das Bad und die Begleitung sind jedoch zu angenehm, um jetzt aufzuh&#246;ren. Ganz hingeben kann ich mich nicht. Ich runzle die Stirn, und meine Gedanken verfangen sich wieder im F&#252;nften. Da habe ich schonmal Flaschen gestapelt, eine ganze Mauer. Mir scheint, dass dort oben keine Flaschen mehr gestapelt werden. Etwas ganz anderes wird installiert. S&#228;ure unter der Haut. Ich blicke in tiefschwarze Augen und ein berechnetes L&#228;cheln. Es ist sehr gut berechnet, denn es trifft trotz, dass mir die Fassade auff&#228;llt. Nun lasse ich mich doch ein wenig fallen.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\t<p>Es wird etwas ver&#228;ndert im f&#252;nften Stock. Ich h&#246;re eindeutig Werkzeug, H&#228;mmer vor allem. Niemand sonst scheint es zu bemerken. Genau genommen lassen es sich alle nicht anmerken. Der Seiler l&#228;sst mich rufen, in den dritten Stock. Selbstverst&#228;ndlich folge ich dem Ruf. Ich soll zum ersten Mal beim Kn&#252;pfen helfen. 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