{"id":1671,"date":"2010-11-21T23:14:01","date_gmt":"2010-11-21T22:14:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/?p=1671"},"modified":"2010-11-21T23:14:01","modified_gmt":"2010-11-21T22:14:01","slug":"deckenlicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/archive\/1671","title":{"rendered":"Deckenlicht"},"content":{"rendered":"\t<p>Den Sonntag in vollen Z&#252;gen genie&#223;en, davon handelte einst ein Witz, der wie alle Witze im Grunde &#252;berhaupt nicht witzig war und nicht nur deswegen hier vermieden werden soll. Jedenfalls sind mir sehr wenige Witze bekannt, die an sich witzig sind. Selten kann jemand welche erz&#228;hlen, und ich habe den Eindruck, dass der Humor dann doch au&#223;erhalb der symbolisch enkodierten Information mitsamt der ber&#252;hmten scherzhaften &#220;berraschung zu finden ist: Ja, das ist die Pointe, ohne die&#8217;s schnwierig wird, au&#223;er man hei&#223;t zuf&#228;llig Badesalz und kann die Werke zur Besonderheit erheben, weil sie eben keine Pointe haben&#8212;obwohl das nat&#252;rlich nicht stimmt: Sie ist dann nur woanders zu finden als &#252;blicherweise am Schluss.<\/p>\n\n\t<p>Zur&#252;ck in den Zug. Versp&#228;tung hat die Verbindung ja ohnedies jedesmal, mit bislang nur einer einzigen Ausnahme. In Gotha noch nen Triebwagenschaden. Aber am Sonntag abend sitzen Pendler im Zug, und die nehmen&#8217;s gelassen hin. Au&#223;er die junge Dame, die im Ruhebereich des <span class=\"caps\">ICE<\/span> in ihr Handy br&#252;llt, um ihrem Vater zu erkl&#228;ren, was sie gestern alles zum Geburtstag bekommen hat. Geld, Jelly Beans (die gro&#223;e T&#252;te), von Christian eine Kette (die ist echt wirklich sch&#246;n), ein Armband, von Tante Dorothy Geld zum F&#252;hrerschein und von Oma auch, und &#252;berhaupt hat sie ja schon mit Oma telefoniert, und die Mischgetr&#228;nke hat sie in den Keller ger&#228;umt&#8212;glaubt sie, sicher ist sie nicht mehr&#8212;damit ihre Mama nicht alles in den Keller tragen muss. Das wird dann 5x erw&#228;hnt. Ist offenbar selten. Sie bedankt sich f&#252;r den Laptop, den die Eltern geschenkt haben. Irgendjemand (vermutlich der Bruder) hat nicht angerufen. Er k&#246;nnte ja wenigstens anrufen. Dann erz&#228;hlt sie alles nochmal ihrer Mama. Die gleiche Geschichte. Genauso laut. Auch von der anderen Seite br&#252;llt es derart laut, dass man sich dabei ertappt, bei der Dame nach einen H&#246;rger&#228;t zu suchen&#8212;aber dann h&#228;tte sie das Problem ja nicht. Die Dame, die neben mir sitzt ist nett, hat offenbar einen guten Musikgeschmack, f&#228;hrt noch weiter im Zug, aber f&#228;ngt dann an Twilight zu gucken. Gro&#223;es Minus. Enormes Minus. Nunja, andere Generation.<\/p>\n\n\t<p>Die Pendler kennen das auch schon. Nat&#252;rlich in wechselnder Besetzung. Aber immer wieder exakt gleich. Man erkennt sich sogar untereinander. Vielleicht an der Gelassenheit. Ich fahre zur&#252;ck von der <a title=\"Zukunft-W\" href=\"http:\/\/www.zukunftw.de\" target=\"_blank\">Zukunft-W<\/a> Klausurtagung, mit Infotag und Abschlusskonferenz, wo mir dann als Dankesch&#246;n sch&#246;ne Rosen von einer noch sch&#246;neren Frau &#252;berreicht wurden. Rosen h&#228;tten an dem Tag eigentlich alle verdient. Das Projekt ist nur dank unglaublicher Hingabe der Arbeitsgruppe so gut geworden. Da das so selten ist, kann es nicht genug hervorgehoben werden. Vielleicht in der Hoffnung, es m&#246;ge auch andernorts anders werden.<\/p>\n\n\t<p>Morgen ist Vorlesung, und noch ist der Dropout gemessen an Vorlesungen im Allgemeinen recht gering. Ich hoffe nat&#252;rlich, mir jetzt straffrei einbilden zu d&#252;rfen, dass das wenigstens im Ansatz irgendwo, irgendwie etwas mit mir zu tun hat&#8212;oder sagen wir besser: damit, was ich da umsetze. Ich bin jedenfalls &#252;berrascht und im Nachhinein noch etwas mehr beeindruckt, wie viel Arbeit so eine <a title=\"Vorlesung: Lernen, Entwicklung, Sozialisation - Eine Einf&#252;hrung\" href=\"http:\/\/www.db-thueringen.de\/servlets\/DerivateServlet\/Derivate-21472\/index.msa\" target=\"_blank\">Vorlesung<\/a> in Wirklichkeit ist. Ich m&#246;chte mich im Nachhinein in aller Form bei meinen fr&#252;heren Professorinnen und Professoren entschuldigen, denen ich in solchen Veranstaltungen gelegentlich das eine oder andere seltsam (um nicht zu sagen: &#252;bel) genommen habe: Ich hatte ja keine Ahnung! Hin und wieder, wenn der letzte Rest Kreativit&#228;t verschwunden ist, dann starre ich an die Decke.<\/p>\n\n\t<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1672\" title=\"An der Decke &#246;ffentlicher Verkehrsmittel\" src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/decken_von_oeffentlichen_verkehrsmitteln2010.jpg\" alt=\"An der Decke &#246;ffentlicher Verkehrsmittel, zwei Perspektiven\" width=\"350\" height=\"292\" srcset=\"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/decken_von_oeffentlichen_verkehrsmitteln2010.jpg 350w, https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/decken_von_oeffentlichen_verkehrsmitteln2010-300x250.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n\n\t<p>Dort sehe ich nicht selten die Deckenbeleuchtung eines &#246;ffentlichen Fahrzeugs. So wie ich jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, unterwegs bin. Der Zustand, nicht da zu sein, h&#228;tte wohl seine Vorz&#252;ge, wenn mein Anschlussmotiv nicht so sehr ausgepr&#228;gt w&#228;re. Ein wenig mehr Machtmotiv w&#228;re vor dem Hintergrund, wenn auch nicht geistig gesund, dann aber doch wenigstens karrieref&#246;rdernd. Ich will mal sagen: Ich arbeite zum Teil absichtsvoll <em>nicht<\/em> an diesem Teil meiner Pers&#246;nlichkeit. Mal sehen, wo mich das hinf&#252;hrt.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\t<p>Den Sonntag in vollen Z&#252;gen genie&#223;en, davon handelte einst ein Witz, der wie alle Witze im Grunde &#252;berhaupt nicht witzig war und nicht nur deswegen hier vermieden werden soll. Jedenfalls sind mir sehr wenige Witze bekannt, die an sich witzig sind. 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