{"id":1805,"date":"2011-07-09T00:44:28","date_gmt":"2011-07-08T22:44:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/?p=1805"},"modified":"2011-07-09T00:45:04","modified_gmt":"2011-07-08T22:45:04","slug":"weimar-ist-ein-glockenschlag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/archive\/1805","title":{"rendered":"Weimar ist ein Glockenschlag"},"content":{"rendered":"\t<p>Zwischen Gutachten, Korrekturen, spannenden neuen Ideen zur Simulation von Lernern, Texturen und Alltagen vielerlei aber nicht allerlei Sorten und F&#228;rbungen komme ich auf den Sophienstiftplat. Sp&#228;ter werde ich rausfinden, dass ich genau mit der richtigen Stimmung hier angkomme. Hier steht der Kiosk 6 und es ist wenige Minuten vor 22 Uhr.<\/p>\n\n\t<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1807\" title=\"Weimar ist ein Glockenschlag 2\" src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/weimaristeinglockenschlag2.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/weimaristeinglockenschlag2.jpg 350w, https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/weimaristeinglockenschlag2-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n\n\t<p>Da ist es dunkel genug f&#252;r Kathrin Baumanns Fenstertheater. Offiziell gesehen ist das hier eine Diplompr&#252;fung (genauer: Diplomverteidigung) im Fach Freie Kunst an der Bauhaus Universit&#228;t zu Weimar. Technisch gesehen wird hier ein Film laufen, der aber weder ein klassischer Film noch eine Videoinstallation ist. Der Kiosk 6 wird zum Fenstertheater und birgt Platz f&#252;r <em>ein<\/em> Fenstertheater, das seinerseits als innere Mauerschau in einer Danksagung an Weimar, die Stadt, den Ort, die Heimat, m&#252;ndet, wobei diese spezifische Perspektive wohl allein dadurch m&#246;glich wurde, dass die K&#252;nstlerin durch die anf&#228;nglichen Wirrungen sich selbst in den wiederkehrenden Mustern entdeckt hat. Sie hat es den Menschen der Stadt auch ganz direkt mitgeteilt. Im Theater sehen wir dann, dass sie es auch dem Brunnen, dem Pflaster und den Fassaden mitgeteilt hat. Heute teilt sie es der Stadt mit.<\/p>\n\n\t<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1806\" title=\"Weimar ist ein Glockenschlag\" src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/weimaristeinglockenschlag1.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"272\" srcset=\"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/weimaristeinglockenschlag1.jpg 350w, https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/weimaristeinglockenschlag1-300x233.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n\n\t<p>Im Wiederklang mit dem Besenmann, dem Flaschenmann, der Traditionsb&#228;ckerei. Pflastersteine bekommen Pflaster in einem musikalisch-inspirierenden Muster. &#8220;Wenn ich ein V&#246;glein w&#228;r&#8221;, und w&#228;r&#8217; ich&#8217;s, dann fl&#246;g ich. Das will man dann f&#252;r sich selbst direkt glauben. Der Ort der Inszenierung spielt eine Rolle. Hier treffen f&#252;nf Stra&#223;en auseinander. Gerade so, wie aus dem Fensterblickwinkel der K&#252;nstlerin. Ich habe bereits festgestellt: Technisch ist das ein Film. Er w&#228;re also technisch gesehen wiederholbar. Weil der Moment, das Theaterereignis, den Raum mit einschlie&#223;t l&#228;uft der Film ein einziges Mal ab. Hier. Dann niemals wieder. Und das ist noch nicht alles. Hinten am Kiosk l&#228;uft ein anderer Film, es passiert dort etwas anderes. Das sehen nur diejenigen, die sich aus den gr&#252;nen, bequemen Sesseln erheben. Sie sehen aber wieder die andere Seite nicht. Gerade, so die K&#252;nstlerin, als m&#252;sse man sich in der eigenen Wohnung entscheiden, ob man dem Geschehen aus dem vorderen Fenster oder aus dem hinteren Fenster Beachtung schenkt. Wir sehen also grunds&#228;tzlich nicht alles. Und ich muss dort sein. In der Stadt, der dieses Dankesst&#252;ck gewidmet ist. Ohne Frage, dass sich myriadenfache Inspirationen breit machen. Sich entscheiden d&#252;rfen ist etwas anderes als sich entscheiden m&#252;ssen. Mit Leichtigkeit betritt die K&#252;nstlerin Miniaturwelten im Gras an der Ilm, balanciert sie halbtransparent als Bestandteil des Theaters auf der langen Bank, der sie, wie sie sagt &#8220;Gesellschaft leistete.&#8221; Weil es ein Film ist, sehen wir die von Schauspielern abverlangte hingebungsvolle, geistige Nacktheit nicht. Es ist eben ein dar&#252;ber erhabenes, ein Fenstertheater, das mich an der Introversion, am In-Dich-Gekehrt-Sein teilhaben l&#228;sst, ohne mir das jemals aufzuzwingen. Im Erleben weisen die losen und die festgezurrten Enden des St&#252;cks &#252;ber die (im Grunde zutiefst materielle) Reproduzierbarkeitsannahme von festen Sequenzen hinaus, und gerade damit mit einem unglaublich gro&#223;en Schmunzeln auch &#252;ber die Initiationsriten von Pr&#252;fungen dieser Art. Der Blick, so (er)scheint es immer wieder, zeigt sich selbst den eigenen Schnittpunkt mit dem Anker, den er selbst der Vernunft spielerisch entrissen hat.<\/p>\n\n\t<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1808\" title=\"Kiosk 6\" src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/kiosk6.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/kiosk6.jpg 350w, https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/kiosk6-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n\n\t<p>Und ganz am Anfang schon, als die K&#252;nstlerin die Stimme erhebt und im Kontrast zu den Weimar-Interviews (vermutlich mit Passanten) sagt: &#8220;Weimar ist ein Glockenschlag&#8221;, in einer Pr&#228;gnanz, die Perspektive unmittelbar erlebbar macht, da merke ich, bin auch ich angekommen.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\t<p>Zwischen Gutachten, Korrekturen, spannenden neuen Ideen zur Simulation von Lernern, Texturen und Alltagen vielerlei aber nicht allerlei Sorten und F&#228;rbungen komme ich auf den Sophienstiftplat. 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