{"id":1929,"date":"2012-07-12T23:49:46","date_gmt":"2012-07-12T21:49:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/?p=1929"},"modified":"2012-07-13T00:27:26","modified_gmt":"2012-07-12T22:27:26","slug":"notwendigkeiten-der-sehnsucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/archive\/1929","title":{"rendered":"Notwendigkeiten der Sehnsucht"},"content":{"rendered":"\t<p>Manchmal bekommt man einen Anruf, der das ganze Leben ver&#228;ndert. Verzeiht mir, Freunde, es wird im Vagen bleiben, denn dieser Anruf kam nat&#252;rlich nicht. Aber als ich gestern am Sp&#228;tnachmittag die Augen schloss, war es fast als vernahm ich dieses flirrende Vibrieren, gepaart mit einem dieser Standardklingelt&#246;ne, die weder t&#246;nen noch klingeln. Und am anderen Ende tauchte eine wohlbekannte Stimme auf, unwahrscheinlich sch&#246;n, und gleichm&#228;&#223;ig, tief und bestimmt, reich an erfahrenem Klang und sicher gelenkter G&#252;te und erreichte in wenigen Worten wozu wenige Wochen fr&#252;her noch ganze Ch&#246;re und Orchester besch&#228;ftigt werden mussten. Hier findet eine Verdichtung auf das Wesen des wesentlichen Wesens statt, gestattete einen Einblick in die Untiefen des gl&#252;ckbeseelten Schicksals. Als w&#228;re der lange, weite Fall l&#228;ngst in unerkannte Ferne ger&#252;ckt. Und in einer Sekunde der Tr&#228;umerei, wenn es denn &#252;berhaupt eine war, gelang es mir die Zeit anzuhalten. Ihr m&#252;sst wissen, dass die Zeit anzuhalten bedeutet, dass das Universum frei gestaltet werden kann. Ursache und Wirkung werden umgedreht oder auch nicht und der Wille bricht wie ein m&#228;chtiger Zauber durch die Wellen der Wahrscheinlichkeit w&#228;hrend das Wollen an keinen Unw&#228;gbarkeiten mehr klebt. Solche Momente sind selten und kostbar und sie dauern&#8212;weil die Zeit wirklich steht, eine ehrliche, also eine tats&#228;chliche, Ewigkeit. Und dann liegen die Farben vor mir, alle Fragen sind beantwortet und auch keine neuen entstehen aus den dunklen Untiefen der Unsicherheit. Und damit begann ich alsdann. Einatmen ist Ausatmen.<\/p>\n\n\t<p>Die Welt, wie sie hier entsteht ist nicht in jeder Hinsicht fair, sie ist nichtmal vollkommen. Vielmehr ist sie in allem Gl&#252;ck einsam in sich geschlossen. Auch das ist eine Folge, wenn man die Zeit anh&#228;lt. Es bewegt sich dann ja nicht mehr wirklich etwas&#8212;mit Ausnahme der Dinge, die man mit der Kraft der Gedanken jenseits aller physikalischer Beschr&#228;nkungen in fast beliebiger Geschwindigkeit durch Raum und Zeit wandern lassen kann. Diese sind auch dann noch beweglich. Das liegt daran, dass sie nicht relativ sind, sondern absolut. Nat&#252;rlich ist ihre Absolutheit nur in der Abwesenheit der Zeit erkennbar, da diese Ansonsten die Funktion des Organischen ansetzt und alle Reinheit sofort hinwegfrisst. Und das ist ebenfalls ein bewundernswert sch&#246;ner Aspekt der Zeit. Allein, wenn sie ohne Ver&#228;nderung ist, auf einen unrealistischen Punkt ihrer f&#252;r uns so verk&#252;mmerten Dimension verdichtet, dann l&#228;sst sie uns manchmal (!) eine Idee schauen, die ohne diese Konzentration nicht existieren kann. Also immer. In der Dichte der Zeit wird n&#228;mlich Manchmal, sogar jedes Seltenst, ein Immer&#8212;und das sogar immer wieder. Was eintreten kann, tritt ein. Und damit wird auch die ganze Abwesenheit der Zeit gleichzeitig ihre ganze Existenz. Das ist nur ein Widerspruch solange (!) sie sich teilweise zeigt, d.h. in ihrer Dimension.<\/p>\n\n\t<p>Vielleicht ist die Zeit gequantelt. Das widerspricht aber aufs kr&#228;ftigste den bisherigen Ausf&#252;hrungen hier.<\/p>\n\n\t<p>Dass eine Stimme das verursachen kann, ist ohne Zweifel. Wie sie es kann, ist unbegreiflich. Wie sie es kann, ohne wirklich je da zu sein, ist nicht ganz so unbegreiflich, aber auch ein wenig. Unbegreiflichkeiten werden tapfer bestaunt. Bis zu einem Moment, in dem wieder alle Fragen klar sind. Der schwebt irgendwo bereits zwischen den Notwendigkeiten der Sehnsucht.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\t<p>Manchmal bekommt man einen Anruf, der das ganze Leben ver&#228;ndert. Verzeiht mir, Freunde, es wird im Vagen bleiben, denn dieser Anruf kam nat&#252;rlich nicht. Aber als ich gestern am Sp&#228;tnachmittag die Augen schloss, war es fast als vernahm ich dieses flirrende Vibrieren, gepaart mit einem dieser Standardklingelt&#246;ne, die weder t&#246;nen noch klingeln. 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