{"id":209,"date":"2007-02-06T16:40:27","date_gmt":"2007-02-06T14:40:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/?p=209"},"modified":"2007-02-06T16:40:27","modified_gmt":"2007-02-06T14:40:27","slug":"vom-uber-wachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/archive\/209","title":{"rendered":"Vom \u00dcber-Wachen"},"content":{"rendered":"\t<p>Ich war auf dem Weg auf eine Dienstreise. Der Flieger ging ab Frankfurt so um die 11.00 Uhr. Man muss in Freiburg fr&#252;h los, um einen solchen Flieger sicher zu bekommen. 5:20 holte mich ein Taxi ab. Der Fahrer hatte nur noch wenige Stunden bis zum Schichtende. Wir sprachen kurz &#252;ber Sicherheit und die Checks am Flughafen, und er hatte eine interessante Geschichte zu erz&#228;hlen. Offenbar hat er bei einem Flug ein Fahrtenmesser (also schon was gr&#246;&#223;eres und aus Metall) aus Versehen im Umschnallbeutel vergessen. Die Kontrollen passierte er nach seinen eigenen Aussagen unbehelligt und gelangte mitsamt des Messers in den Flieger. Seither, so erz&#228;hlte er mir, habe er das Messer jedes Mal mit dabei und jedes Mal mit durch die Kontrollen bekommen. <!--more-->Was an der Geschichte dran ist und wieviel davon &#252;bertrieben, das vermag ich nicht einzusch&#228;tzen. Dennoch kam mir der offensichtliche Gedanke, der von den Sicherheitsexperten in der <img src=\"\/pic\/link.gif\" alt=\"Link\" height=\"11\"> <a title=\"Tagesschau Videoserie Alltag &#220;berwachung\" target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/aktuell\/meldungen\/0,1185,OID6211046_TYP6_THE6212054_NAV_REF_BAB,00.html\">Reportage der Tagesschau<\/a> ebenfalls an unterschiedlichen Stellen geteilt wird. Hier wird viel grimmig Aussehendes veranstaltet. Vielleicht weniger, um einer m&#246;glichen Kriminalit&#228;t Einhalt zu gebieten, sondern damit sich Passagiere sicherer f&#252;hlen (ohne vielleicht tats&#228;chlich sicherer zu sein). Und wie sollte man auch <em>noch<\/em> sicherer werden? Gemessen an der tats&#228;chlichen Kriminalit&#228;tsdichte k&#246;nnte man <em>vor<\/em> jedem Flughafen ein stehendes Heer von 20.000 Sicherheitsbeamten stationieren&#8212;man h&#228;tte wohl immer noch ein Ungleichgewicht zugunsten des Flugverkehrs. Wenn die Wahrscheinlichkeit, vor einem Flughafen erschossen zu werden, schon bei einem Aufenthalt h&#246;her ist als die Wahrscheinlichkeit selbst als Vielflieger &#252;berhaupt jemals im ganzen Leben in einer Maschine mit Terroristen zu sitzen (und das ist wohl der Fall), dann k&#246;nnte man schon beruhigt durch&#8217;s Checkin laufen, so man denn die Ankunft am Flughafen &#252;berlebt hat.<\/p>\n\n\t<p>Die Sache mit den Daten ist da vielleicht schon undurchsichtiger. Als mich vor ca. drei Jahren eine Kassiererin in einem Freiburger Drogeriemarkt entgeistert fragte, warum ich denn nicht l&#228;ngst im Besitz einer Payback-Karte sei (sei doch praktisch), da habe ich ihr geantwortet: &#8220;Weil ich meine Daten nicht so billig verkaufe.&#8221; Sie hat dann kurz nachgedacht und gesagt: &#8220;da k&#246;nnte was dran sein.&#8221; Nat&#252;rlich wei&#223; ich, dass meine Daten mehr wert sind, als die paar kr&#252;meligen Cent pro erfasstem Einkauf. Die Gewinnspanne des Unternehmens muss gewaltig sein. D.h., wenn die mir ein vern&#252;nftiges Angebot machen, dann komme ich vielleicht darauf zur&#252;ck. Aber f&#252;r das lausige Almosen? Auf keinen Fall. Auch immer wieder lustig ist die Frage (verzeihung: eher befehlsf&#246;rmige N&#246;tigung) durch eher aufdringliche TV-Werbung bekannter Elektronik-Diskounter (die nat&#252;rlich <em>stets<\/em> teurer sind als alle anderen, aber wer merkt das schon?): &#8220;Ich brauche dann noch ihre Postleitzahl!&#8221; Als sei es ein notwendiger Teil des Buchungsvorgangs. &#8220;Aha, und wof&#252;r brauchen Sie die?&#8221;. &#8220;F&#252;r die Statistik!&#8221; Achso, naklar, h&#228;tte ich mir ja denken k&#246;nnen (= um nach Stadtteil lokalisierte Werbung drucken und verteilen zu k&#246;nnen). &#8220;Nein&#8221;, sage ich, ohne weiter zu begr&#252;nden. Schlie&#223;lich m&#246;chte ich jetzt doch hier weg. Aber von wegen! &#8220;Ich brauch&#8217; das aber, f&#252;r die Statistik. Sie m&#252;ssen mir ihre Postleitzahl sagen.&#8221; Ich muss genau was muss ich? &#8220;Nein&#8221;, sage ich immer noch h&#246;flich, &#8220;das muss ich nicht. Andernfalls trete ich vom Kauf zur&#252;ck.&#8221; Warum ich das denn nicht einfach sagen k&#246;nne, ich merke doch, dass ich hier den Ablauf aufhalte. Das seien doch gar keine pers&#246;nlichen Daten. Ich sage &#8220;weil meine Daten nicht umsonst sind&#8221; und blicke in fassungslose Augen, Kopfsch&#252;tteln, Blick zum n&#228;chsten Kunden. Na, wer glaubt jetzt zu ahnen, wie gerne ich <em>hier<\/em> wieder einkaufen gehe?<\/p>\n\n\t<p>Nicht uninteressant, wie die Tagesschau das hier angerissene Thema anfasst. Die Reportage hat eine nachvollziehbare leichte Positionierung innerhalb der Interessen. Da diese Positionierung mich in guten Teilen anspricht, hat&#8217;s mich gefreut. Noch fairer w&#228;re es, es als Versuch einer Balancierung auszulegen, die durchaus gelingen kann. Dass Herr Arzt mit seinen hingebungsvollen Aktionen dabei (leider) nicht als medienversiert hervorgeht, ja, gelegentlich gegen&#252;ber seinen Kontrahenten sogar unvorbereitet wirkt, mag man ihm nicht nur ver&#252;beln. Vielleicht muss er seine Ansichten selten so pointiert und schnell formulieren.<\/p>\n\n\t<p>In meinen Augen sind alle vier Teile der Reportage mehr als sehenswert. Zur Erinnerung aber auch zur Information:<\/p>\n\n\t<p><img src=\"\/pic\/link.gif\" alt=\"Link\" height=\"11\"> <a target=\"_blank\" title=\"Tagesschau Videoserie Alltag &#220;berwachung\" href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/aktuell\/meldungen\/0,1185,OID6211046_TYP6_THE6212054_NAV_REF_BAB,00.html\">Tagesschau: Videoserie Alltag &#220;berwachung<\/a><\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\t<p>Ich war auf dem Weg auf eine Dienstreise. Der Flieger ging ab Frankfurt so um die 11.00 Uhr. Man muss in Freiburg fr&#252;h los, um einen solchen Flieger sicher zu bekommen. 5:20 holte mich ein Taxi ab. 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