{"id":2157,"date":"2014-12-31T08:01:20","date_gmt":"2014-12-31T07:01:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/?p=2157"},"modified":"2014-12-31T08:05:45","modified_gmt":"2014-12-31T07:05:45","slug":"freiheit-von-meinung-begriffskonvergenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/archive\/2157","title":{"rendered":"Freiheit von Meinung. Begriffskonvergenz?"},"content":{"rendered":"\t<p>Die Meinungsfreiheit ist zweifelsohne ein hohes Gut, ein Recht vielleicht&#8212;man muss es vorsichtig sagen&#8212;das nicht nur gegeben wird, das man sich auch nehmen muss. In Assoziation der Meinungsbildung, das hei&#223;t, wo die Meinung her k&#228;me und wie sie sich konstituiert, ist sie Ausdruck einer Episteme und Verursacherin der Aufregung allerseits. Nachzulesen und nachzuweisen ist dies an v&#246;llig beliebiger Stelle, an der Foristen Exponate des &#220;berrascht-Seins und der verzweifelt anmutenden Beihilfe zur Meinungsbildung hinterlassen. Da habe ich gelernt&#8212;und bezogen auf meinen Sprachraum: Menschen wollen unter anderem andere umbringen, foltern, ohne Recht belassen, gequ&#228;lt und f&#252;r Unbeeinflussbares sanktioniert wissen. Es scheint, als seien die Widerstreiter solcher Ideen so rar, dass das Gr&#252;beln eine Sparflamme der Gleichg&#252;ltigkeit bereit h&#228;lt. Und k&#246;nnten die nicht gar gestreut sein? Manches liest sich darin allzu strategisch, wenn auch zutiefst nachvollziehbar und zugleich auf verlorenem Posten.<\/p>\n\n\t<p>Wer gegen&#252;ber der Annahme, der Souver&#228;n erfreue sich h&#246;chster Gesundheit eine wirkungsvolle Therapie sucht, soll sich einen Nachmittag lang auf einem Forum herum treiben. Egal auf welchem.<\/p>\n\n\t<p>Was die Diskussion nicht blo&#223; erschwert sondern gleich ganz verhindert, ist die verst&#228;ndliche Uneinigkeit &#252;ber die Methode des Daf&#252;rhaltens, die Grundlage der allt&#228;glichen Pr&#228;missenbildung, die sich nunmehr weder aus einem Werkzeugkasten des Dran-Glaubens noch aus einer Grundhaltung ableitet. Die impliziten Erkenntnistheorien passen nat&#252;rlich nicht ineinander. Das m&#252;ssen sie auch gar nicht. Eine Wissenschaft muss nicht zu einer archaisch-emergenten Empfindungsplausibilit&#228;t passen und noch viel weniger zum dogmatisch-vorgeschriebenen Wahren. Im Versuch der Vereinigung verlieren alle Spielweisen der Intersubjektivit&#228;t und entbehren bei aller verst&#228;ndlichen Konsenssuche ihre Kraft. Vereinbarkeitsesoteriken (Gottesneuron, digitale Demenz, Quanten&#246;konomie, unter vielen anderen) und aus dieser Verzweiflung hervor gehende Abbildungsfunktionen von Halbwahrheiten auf Scheinpr&#228;missen lassen das Bild nicht eben in einem aufgekl&#228;rteren Licht erscheinen&#8212;wobei es der Aufkl&#228;rung wohl wie Pluto geht: L&#228;ngst kein Planet mehr. Der Umstand, dass das keinen wundert mag vielleicht noch zynisch sein. Dass es als Kultur etabliert ist wirkt dumm (daran merkt jemand wie ich zwischendurch auf schmerzvolle Weise, dass er alt wird). Aber es stimmt auch nachdenklich, da leider nichts Unverstehbares an seine Seite tritt. Das Unverstehbare w&#252;rde mich lediglich bedrohen, und diesen Generationenkonflikt w&#252;rde ich begr&#252;&#223;en. Was mich irritiert ist leider, wie gut alles zu verstehen ist&#8212;ohne dass sich daraus auch nur etwas im Ansatz Verst&#228;ndnisvolles daraus ableiten lie&#223;e. Ich kann mich dar&#252;ber hinaus einfach nicht damit abfinden, dass wohlinformierte Dummheit nun etwas sein soll, das irgendwie <em>cool<\/em> sein kann. Das geht einfach nicht in Ordnung. Ebensowenig, wie intentionale Uniformiertheit: Solange ich mich mit den Daten nicht auseinandersetze, muss ich meine Welt nicht umdenken.<\/p>\n\n\t<p>&#220;ber alles andere&#8212;und es ist vor genanntem Hintergrund schon fast erstaunlich, dass es dies trotz allem noch so reichhaltig gibt&#8212;freue ich mich ma&#223;los. Wenngleich ich die Basiraten mit gro&#223;er Sicherheit &#252;bersch&#228;tze&#8212;da mir der Elfenbeinturm einstweilig zur erweiterten Raumpflege &#252;berlassen wurde, Mondenkind! Und zwar ist diese sicherlich naiv anmutende Freude ganz unabh&#228;ngig davon, ob ich nun inhaltlich zustimme oder nicht. Denn darin meine ich eine herzliche Aggression, eine liebevolle Abwendung, eine jugendgegebene Zerst&#246;rungswut zu erkennen, die vor allem deshalb so positiv wirkt, weil sie sich gegen das Starke wendet statt gegen das Schwache.<\/p>\n\n\t<p>Darin gibt es also eine Meinungsfreiheit, die sich daraus ableitet, dass eine Meinung unter freien Umst&#228;nden entstehen kann, sich selbst nicht dadurch, dass sie entst&#252;nde ad Absurdum f&#252;hre&#8212;und &#246;ffentlich verfasst werden darf. Dem gegen&#252;ber steht eine gro&#223;e, verzeiht, &#8220;Lauthals kreischend-schweigende Mehrheit&#8221; wobei einhergehend Meinungsfreiheit vermeintlich die Abwesenheit von Meinung (zum Beispiel von informierter) beschreibt und sich wahlweise im unfokussierten Wutausbruch manifestiert (erstmal irgendwie irgendwas kaputt machen, weil ist ja bestimmt doof oder so, zum Beispiel: &#8220;Ich hasse Umweltverschmutzung, schlechte Stra&#223;en und hohe Benzinpreise, kann sich ja alles keiner mehr leisten.&#8221;) oder zum Schutz vor einer Auseinandersetzung wird (im gro&#223;en und ganzen ist doch sicher alles in Ordnung, muss ich mich nicht wirklich auch noch drum k&#252;mmern).<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\t<p>Die Meinungsfreiheit ist zweifelsohne ein hohes Gut, ein Recht vielleicht&#8212;man muss es vorsichtig sagen&#8212;das nicht nur gegeben wird, das man sich auch nehmen muss. 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