{"id":220,"date":"2007-02-17T11:17:19","date_gmt":"2007-02-17T09:17:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/?p=220"},"modified":"2007-02-17T11:21:03","modified_gmt":"2007-02-17T09:21:03","slug":"ausstellung-eros-in-der-moderne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/archive\/220","title":{"rendered":"Ausstellung: Eros in der Kunst der Moderne"},"content":{"rendered":"\t<p>Eine umfassende und gut komponierte Ausstellung ist der Fondation Beyeler unter dem Titel &#8220;Eros in der Kunst der Moderne&#8221; gelungen. Im Wesentlichen sehen wir Malereien, Photographien. Bildhauereien und Plastiken und auch Videos folgen. Ein paar wenige Installationen sind zu bewundern. Wenn Picasso sagt, Kunst sei niemals keusch und man die Rezeption der Werke nachschaut, so ensteht zun&#228;chst der Eindruck, dass Eros zu einem verbundenen Teil der modernen und zeitgen&#246;ssischen Kunst geworden sei. W&#228;hrend es vor dem Hintergrund von Picassos Biographie kaum Zweifel geben d&#252;rfte, dass darin eine Haupttriebfeder eben auch f&#252;r die seine Kunst bestand, so er&#246;ffnet der Gang durch die Zusammenstellung noch weitere Einblicke. <!--more-->Es gibt Leute, die behaupten, alles sei gezeigt und gesagt. W&#228;hrend vielfach aufgedeckt wird, Novum durch Aufzeigen und Zeigen, so bleibt doch eine nicht zu &#252;bersehende Distanz. Die zum Teil mit wundersch&#246;ner Ironie inszenierte Distanzhaltung des Betrachters (den Beobachter zur dritten Person wandelnd) bewegt sich dabei noch, spielt vor allem mit der Neugier und bewegt sich elegant durch Vieldimensionen. Da wird man regelrecht berauscht: von so viel Perspektivever&#228;nderung. Eine f&#252;r mich &#252;berraschende Konstante war indes eine sehr gro&#223;e Distanz zwischen jenen, die sehen und jenen, die gesehen werden. Hier h&#228;tte ich, um noch einmal auf Picasso zur&#252;ck zu kommen, weniger Keuschheit erwartet. Vielleicht schafft es Dali mit einem illusionistischen Augenzwinkern in Ans&#228;tzen uns zu zeigen was (sich) da bewegt. Andererseits wissen wir ja auch ungef&#228;hr, was notwenig war um diese Durchg&#228;nge zu schaffen. Prophetisch und im Rahmen der Ausstellung so herzerfrischend zynisch, dass man sich ein herzhafteres Grinsen gar nicht verkneifen mag: Paul Delvaux &#8220;La V&#233;nus endormie&#8221;. Wie viel Gr&#252;beln zwischen Modell, Werk und Publikum dem Maler hier offenbar wurde, l&#228;sst sich unschwer sehen. Man beginnt sich unter den Betrachtern umzusehen und k&#246;nnte diese bewegende Komposition durchaus als Teil manch einer Installation im Dienste des Themas verstehen.  Und Ernst Ludwig Kirchner, der einen erneut sehr entfernenden (und entfernten) Blick auf die &#8220;im See badenden M&#228;dchen&#8221; wirft, zeigt uns die Distanz ganz direkt, ganz ehrlich, wie mir scheint. Etwas Vergleichbares habe ich noch in intensiverer Form mit seiner &#8220;B&#228;uerin mit Kind&#8221; erlebt (nicht Teil der Ausstellung). Einen der wenigen bereits vorhandenen Br&#252;che durch die Distanz schafft Rebecca Horn mit dem &#8220;Ku&#223; des Rhinozeros&#8221; mit der Hilfe gro&#223;er Mechanik und hinreichend elektrischem Funken. Inspirierend wird die Ausstellung daher, weil klar wird, wie viel noch versucht werden darf&#8212;auch gerne im Sinne von &#8220;Versuchung&#8221;. Wenn wir Gl&#252;ck haben, dann gelingt es auf bisher unbekanntem Weg die Bez&#252;ge zwischen Werk und Betrachter und jene zwischen K&#252;nstler und Welt noch organischer zu gestalten. Hier bleibe ich mehr als gespannt. Die Austellung selbst ist von vielen Inspirationen durchzogen, im Anbetracht der Reichhaltigkeit nie an einem Tag zu schaffen, es sei denn man spaziere um des Spazierens willen hindurch.<\/p>\n\n\t<p><img src=\"\/pic\/link.gif\" alt=\"Link\" height=\"11\"> <a title=\"Fondation Beyeler\" target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.beyeler.com\/\">Foundation Beyeler<\/a><br \/>\n<img src=\"\/pic\/link.gif\" alt=\"Link\" height=\"11\"> <a title=\"Portal Kunstgeschichte, Rezension\" target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.portalkunstgeschichte.de\/events\/ausstellungsrezensionen_2\/128.php\">Portal Kunstgeschichte, Rezension<\/a><br \/>\n<img src=\"\/pic\/link.gif\" alt=\"Link\" height=\"11\"> <a title=\"Art TV, Eros - Rodin und Picasso\" target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.art-tv.ch\/eros.html\">Art TV, Eros &#8211; Rodin und Picasso<\/a><\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\t<p>Eine umfassende und gut komponierte Ausstellung ist der Fondation Beyeler unter dem Titel &#8220;Eros in der Moderne&#8221; gelungen. 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