{"id":29,"date":"2005-11-10T11:22:42","date_gmt":"2005-11-10T09:22:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/?p=29"},"modified":"2005-11-10T11:22:58","modified_gmt":"2005-11-10T09:22:58","slug":"herbstgefasel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/archive\/29","title":{"rendered":"Herbstgefasel"},"content":{"rendered":"\t<p>Da ist er, der Herbst, kerzengetauchte Stunden, w&#228;rmende Fl&#252;ssigkeiten, die Augenblicke sind wieder zeitlos. Weil die Begegnungen langsamer werden, gleichzeitig aber l&#228;nger andauern. Die Fl&#252;chtigkeit, die Unverbindlichkeit des Sommers neigt sich einem wohlverdienten Ende zu. Auch wenn Sommer und Sonne nicht eben Hand in Hand gingen. Dieses Jahr. Gut, konnten wir etwas arbeiten&#8212;beschweren kann man sich ja immer. Aber auch ein emsiger Sommer geht, wenn er auch kalt geworden ist, &#8220;aber es wird besser&#8221;<!--more-->&#8212;das erinnert man aus vergangenen Kinderbuchbegegnungen der sch&#246;neren Art. Herbst und Fr&#252;hling sind meine Zeiten. Der Herbst noch mehr. Also teuerste, beste Jahreszeit. Zum Gr&#252;beln, zum Denken, zum Nachf&#252;hlen&#8212;dabei stets H&#252;ter von Ver&#228;nderung, von Wandel, w&#228;hrend Sommer und Winter sich in Stillstand ertr&#228;nken. Jetzt ist&#8217;s alles voller wundervoller &#220;berraschungen. Aber &#8220;Hallo&#8221;, ich schenke der Welt doch die ihr geb&#252;hrende Aufmerksamkeit. Mag das nun ein Dilemma sein oder nicht. Die L&#228;mmer werden&#8217;s verzeihen, die Raubtiere auch. Wege voll tigerhafter Eleganz. Da fallen die L&#228;mmer, fallen tief und in dunkle Abgr&#252;nde. Das h&#228;lt in sich eine ganz eigene &#196;sthetik. Denkt traumtrunken daran, wenn ihr euch an dieserlei wagt. Dunkle R&#228;ume ziehen bei grauem Himmel an, erinnern sich an so manchen Tanz, an schwei&#223;durchtr&#228;nkte N&#228;he, j&#228;h verloren. Armes Schaf. Aus der Ferne gedacht. Zeichnen ein Bild von Wahnsinn, von Macht und von Hingabe gleicherma&#223;en. Warum nur? Weil&#8217;s ein Geschenk ist, das niemand missen w&#252;rde. F&#228;hrte aufgenommen, unz&#228;hmbares Raubtier. Niemand wird versuchen, dich zu z&#228;hmen. Wie viele Menschen w&#252;rden sich das w&#252;nschen, in sich gekehrt und ehrlich schatzgesucht? In unverbindlichen Phrasen finde ich gebetsm&#252;hlenartig die Gedanken, wer halt etwas wissen wolle, der solle eben fragen. Von Antworten hat niemand etwas gesagt. Schnell wird allen langweilig. Unverbindlich, unverletzlich, unattraktiv. Nebenwelt. Das sei andernorts noch als S&#252;nde verschrieen. B&#246;se, b&#246;se Dekadenz. Wunsch, nachgeben, Menschenskinder, honigbitters&#252;&#223;er Ebereschenlik&#246;r tropft von leicht gespaltenen Lippen. Verstehen war gestern. Die Raubtiere sind ausgebrochen aus dem Scheinsein, aus dem So-Tun-Als-Ob. Das Leben ist keine B&#252;hne. Es h&#228;lt nur eben so viele B&#252;hnen parat, so dass man sich daraus verliert und am Ende glaubt, alles sei eins, ein Spiel. Wahrhaft verehrter Meister, wie du irrtest auf deiner B&#252;hne. Das Leben ist weit mehr als das. Du hast erkannt, dass die unerreichbaren Dinge gerne S&#252;nde getauft werden. Werden sie sodann erreibar, gibt es keine Notwendigkeit des Umtaufens mehr&#8212;wo Taufe gleich dreimal aus dem Haus gefallen ist. Das sind keine gefallenen Engel, jaja, das waren nie welche. Ergie&#223;en Sch&#228;tze aus millionenfachem Gl&#252;ck, das &#252;berdies als verkommen gilt, indes aber eher vollkommen ist. Da atmen die Momente selbst, tief, unergr&#252;ndlich, verlockend, spielerisch, schwere traumtaumelverwandelte Vorh&#228;nge, die noch vor Masken liegen, die &#252;ber und &#252;ber und &#252;ber tief verborgenes Dunkel &#252;berdecken. Ohne dass jemals die Frage entsteht, was darunter geduldig lauert. Entfaltet ist es h&#246;chste Erf&#252;llung, verborgen ist es gro&#223;er Reiz, vergessen ist es ein trauriges Echo. Inmitten Herbst. Kerzenbeleuchtete Kammern. Apfel und Zimt. Verwirrte Gedanken w&#228;hrend des Aufwachens inmitten des Tages. Mein Tag, mein Tag, mein. Deiner auch?<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\t<p>Da ist er, der Herbst, kerzengetauchte Stunden, w&#228;rmende Fl&#252;ssigkeiten, die Augenblicke sind wieder zeitlos. Weil die Begegnungen langsamer werden, gleichzeitig aber l&#228;nger andauern. Die Fl&#252;chtigkeit, die Unverbindlichkeit des Sommers neigt sich einem wohlverdienten Ende zu. Auch wenn Sommer und Sonne nicht eben Hand in Hand gingen. Dieses Jahr. Gut, konnten wir etwas arbeiten&#8212;beschweren kann man sich ja immer. 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