{"id":420,"date":"2008-01-05T10:25:28","date_gmt":"2008-01-05T09:25:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/?p=420"},"modified":"2008-01-05T19:16:28","modified_gmt":"2008-01-05T18:16:28","slug":"akolythen-und-andere-reinkarnationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/archive\/420","title":{"rendered":"Akolythen und andere Reinkarnationen"},"content":{"rendered":"\t<p>Halbschlaftrunken lassen sich tausend junge Akolythen des Unfugs erheben, durch die Unf&#228;higkeit des Zugangs getrieben und glauben, dass kleine, lustige Rollenspiele irgendwas ins Leben, nunja, we&#174;ben. Tradiert werden Konzepte, reines Gutes, reines B&#246;ses und nat&#252;rlich die Mischformen, weil, klar, wenn Schwarz, wenn Wei&#223;, dann Graustufen. Vermengen-Lehre einer Pseude-Analogie, die nichtmal Oberfl&#228;chenmerkmale aufweist. Dualisten, allesamt einer Dialektik verschrieben, die&#8217;s nie gab. Das kann erheitern, wenngleich auch etwas zynisch. Also in etwa so, als glaubte man immer noch, dass die Batikbewegung (oder andere von der Haute Couture gestaltete Subkulturen, z.B. Punk) keine primitive Modeerscheinungen sondern eine Gesinnungsausbr&#252;che seien. Harmlose Revolutionen. Jeder sollte sich eine zulegen. Damit verbaut (~verbraucht) man sich&#8217;s dann. Mitunter vollst&#228;ndig. Das &#8220;Huuu, sind wir guuuut&#8221; oder das &#8220;huuu, sind wir b&#246;h&#246;h&#246;&#246;&#246;se&#8221; ist ebenso langweilig und ebenso komplett identisch und untereinander vertauschbar. <!--more-->Als best&#252;nde die Welt aus Mannschaftssport. Dann h&#228;lt man sich f&#252;r nen Baumliebhaber oder noch besser: die f&#252;nftausenste gleichzeitig lebende Reinkarnation von Maria Callas (f&#252;r die sich mehr als die H&#228;lfte angehender S&#228;ngerinnen unbest&#228;tigten Ger&#252;chten zufolge nach heimlich ausgeben soll). Und man hat nat&#252;rlich gleich mit dem Erzengel oder den entsprechend anderen D&#228;monen gesprochen. Die kamen dann vorbei, auf einen Tee. Klar, wer w&#228;re schon gerne die Reinkarnation von &#8220;&#8217;s Meiers Paule&#8221;, Knecht auf dem Gutshof zu Klebelingen oder so. Obschon mir der Gedanke dann doch zwei Gramm besser gef&#228;llt als mir die C&#228;sar-Seele mit ein paar Millionen anderen M&#246;chtegern-Helden zu teilen. Man kann auch glauben, einer der nicht lebt wie man will, m&#246;ge als Ameise wieder geboren werden. Schlechtes Karma halt. Aber wer befindet denn schon dar&#252;ber? Der Asketen-Praktikant, dem sein Leben lang die Askese nie gelungen ist? Dann doch lieber &#8220;der Bettler am Stra&#223;enrand&#8221;. Aber es gibt ja Str&#246;mungen, die wir zwischen den Seilen entdecken: Hauptsache jeder kann &#8220;der Auserw&#228;hlte&#8221; sein, und sei es auch nur der &#8220;auserw&#228;hlt Gepeinigte&#8221; oder sonstwas besonders Herausragendes. Ist nicht ganz so leicht, das richtig zu verstehen. In erster Linie k&#246;nnten wir nun annehmen, dass sich all&#8217; das entfaltet, weil in &#252;blichen Umwelten so wenig Platz f&#252;r das Heiligtum &#8220;Ego&#8221; sei (w&#228;re es da nun ein erleuchtetes oder geschundenes ist da wie schon erw&#228;hnt ganz egal). &#8220;Gibt es einen Platz f&#252;r mich da drau&#223;en?&#8221;, tja und &#8220;Gibt es einen Platz f&#252;r mich da drinnen?&#8221;.<\/p>\n\n\t<p>Fragen &#252;ber Fragen, die nat&#252;rlich beantwortet werden sollen, wie in jedem Fishing-Fo(u)r-Compliments Contest. Klingt auch alles viel besser als der Meanstream. Na, jedenfalls besser als all der <em>andere<\/em> Mainstream. Dann kommen da noch die Partnerschaften. Wenn man, oh ja, erst seinen Seelenpartner gefunden hat, klar, am Supermarkt an der Ecke. Der war da halt. Weil, naja, das Schicksal, gut, alles irgendwie zusammenf&#252;hrt. Da war dieses erleuchtete Klingen in der Luft. Wenn&#8217;s nicht klappt, hat man wenigstens ganz ordentlich was zum Rumheulen. Tief und auf das ersch&#252;tterndste melancholisch, versteht sich von selbst. Das ist ja nun auch wesentlich elaborierter und l&#228;ngst nicht so verworfen, wie ein v&#246;llig banales aber durchaus ehrliches: &#8220;na, ich war halt geil&#8221;: Blo&#223;, was w&#228;re nun daran so schlimm? Na, die Umgangsform nat&#252;rlich, weil&#8217;s alles im Sinne der halbreinkarnierten Dreiviertelg&#246;tter orchestriert werden muss&#8212;oder wer h&#228;tte nun gerne Mozarts Geschlechtskrankheiten geerbt oder die Vielzahl bach&#8217;scher Kinder? Tjaha, da f&#228;ngt&#8217;s dann an. Etwas darf nicht <em>einfach nur gut tun<\/em>, es muss auch gleich einen meta-kosmischen Sinn haben. Vielleicht sollten wir mit dem Olymp (oder irgend einer anderen in diesem Sinne wesentlichen Instanz) mal verhandeln, dass wir immer nur den Personenkult vererbt bekommen. Das w&#228;re einfacher.<\/p>\n\n\t<p>Dann gibt&#8217;s die, f&#252;r die alles in einem Wochenende erlebt sein muss. Arkanes Geplapper f&#252;r 1320 Euro, wieder ist man auserw&#228;hlt, erlesener Kreis allemal, Arztgattinnen nicht selten. Dann ist man, hat was, wurde nichts aber darauf kommt&#8217;s nicht an. &#8220;Jaklar, jetzt muss ich mal so richtig an mir arbeiten in n&#228;chster Zeit&#8221; und &#8220;das ist jetzt so ganz zentral Thema&#8221;. Dem im Grunde uninteressanten Leben wird mithin ein Anstrich verliehen, der ein Dasein zu rechtfertigen vermag, das genau genommen von Haus aus keiner Rechtfertigung bedarf. Plausibilit&#228;t ist so einfach. Nat&#252;rlich hat man Erlebnisse in einem wohlgestalteten Raum, bei einem Sonnenaufgang (auch, wenn die Sonne streng genommen gar nicht aufgeht). Darin klingt dann das wahre, und was bei der Gelegenheit wichtig ist: Alles andere ist nur Schatten. Wurde man doch soeben wieder erleuchtet. Bis zum n&#228;chsten Wochenende? Dann werden wieder neue Siegel gebrochen. Diesmal aber endg&#252;ltig die richtigen.<\/p>\n\n\t<p>&#220;blicherweise schlie&#223;e ich mein Pamphletum Laberum mit einem Fazit ab, mit einem Ausweg. Aber den kann&#8217;s heute nicht geben. Aber f&#252;r 1320 Euro k&#246;nnen wir da gern mal in einer ger&#228;ucherten (oder f&#252;r die anderen: geschwefelten) Umgebung dr&#252;ber reden, nicht wahr? Andererseits macht selbst denken auch klug. Das w&#228;re doch mal ein selbst gebastelter Ausweg&#8212;wenngleich etwas anstrengender. F&#252;r mich jedenfalls ist klar, dass &#8220;f&#252;hl den Ippon&#8221; (Sensei Marijan Glad, Gundelfingen, 2007) eine der signifikanten Auf- und Anforderungen des Jahres 2007 war. Ganz ohne immenses Dahinter. Aber daf&#252;r mit einer Menge davor. Bleiben noch ca. 200 Millionen Durchg&#228;nge dieser einen, einen, einen Bewegung. Und die schaffe wenigstens ich nicht an einem einzelnen Wochenende. Vielleicht aber f&#252;hl ich den Ippon dann mal. Oder auch nicht.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\t<p>Halbschlaftrunken lassen sich tausend junge Akolythen des Unfugs erheben, durch die Unf&#228;higkeit des Zugangs getrieben und glauben, dass kleine, lustige Rollenspiele irgendwas ins Leben, nunja, we&#174;ben. Tradiert werden Konzepte, reines Gutes, reines B&#246;ses und nat&#252;rlich die Mischformen, weil, klar, wenn Schwarz, wenn Wei&#223;, dann Graustufen. Vermengen-Lehre einer Pseude-Analogie, die nichtmal Oberfl&#228;chenmerkmale aufweist. 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