{"id":5,"date":"2005-09-06T16:24:26","date_gmt":"2005-09-06T14:24:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/?p=5"},"modified":"2005-09-12T14:35:29","modified_gmt":"2005-09-12T12:35:29","slug":"der-sequenzer-als-instrument","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/archive\/5","title":{"rendered":"Der Sequenzer als Instrument"},"content":{"rendered":"\t<p>Eine technisch-historische Beschreibung des Sequenzers l&#228;&#223;t sich leicht nachschlagen, z.B. hier:<\/p>\n\n\t<p><img src=\"\/pic\/buch.gif\" alt=\"Nachschlagen\" \/> <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sequenzer\" target=\"_blank\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sequenzer<\/a><\/p>\n\n\t<p>Heutige Sequenzer k&#246;nnen jedoch entgegen der Darstellung sehr wohl auch Tonaufnahmen realisieren (so &#228;hnlich wie ein vielspuriges Tonbandger&#228;t). Hier sollen ein paar Ideen diskutiert werden, wie man ein solches Ger&#228;t als Musikinstrument einsetzen kann und worin da genau der Reiz, beispielsweise f&#252;r ein Life-Konzert besteht. Es ist nicht gleich offensichtlich, warum man den Sequenzer&#8212;eigentlich ein Ger&#228;t zur exakten Wiedergabe von Tasten- und Tonman&#246;vern&#8212;auch als Instrument einsetzen kann; nicht mal warum man ihn &#252;berhaupt so bezeichnen kann. <!--more--> Als Instrument ist er ebenfalls vielfach in modernen Ensembles eingesetzt worden, sowohl in der popul&#228;ren Musik als auch in experimentelleren Varianten. Oft wird er auch nur zur Wiedergabe eines Playbacks eingesetzt; dabei wird dann auf keine Eigenschaften der Musik mehr life Einfluss genommen. Hier gibt es nur noch ein paar tontechnische und b&#252;hnenorganisatorische Vorteile, nicht gleich alles von einer CD abzuspielen. Zun&#228;chst einmal vermag ein Sequenzer, wozu kein Mensch in der Lage ist. Immer wieder etwas in genau der gleichen Art und Weise wiedergeben. Im Grunde, wie von einer Aufnahme und erf&#252;llt somit ein lang existierendes Ideal, der exakten &#8220;intentionsgenauen&#8221; Wiedergabe von Kompositionen. Nachdem die M&#246;glichkeiten der Aufnahme da waren, stellte man nat&#252;rlich schnell fest, dass so etwas durchaus langweilig ist. Das &#8220;Menschliche&#8221; fehlt bei exakter Reproduktion. &#220;bersetzt bedeutet das: es fehlt die &#220;berraschung, etwas Unerwartetes, das einen in Staunen versetzt. Ist die Reproduktion in den H&#228;nden eines Menschen zumindest noch eine handwerklich bewundernswerte F&#228;higkeit, so wird sie bei Maschinen kaum jemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Ein reproduziertes Ergebnis ist hier ja gerade das, was wir erwarten. Es fehlt das Neue, das &#220;berraschende. Wir finden in der Begegnung mit Musik nach einiger Zeit heraus, dass auch Interpretation als wundervolle Erg&#228;nzung zur Komposition, nicht in einer vorherbestimmten Weise zur Perfektion gebracht werden wird. Spiele ich nun ein klassisches Instrument, so gibt es Angelegenheiten der Musik, die ich versuche sehr exakt wiederzugeben. Andere Dinge unterliegen meinem Gutd&#252;nken, meiner Laune, der Stimmung, der Zeit, dem Kontext, dem Raum etc. Ein Sequenzer ist nun auf wunderliche Weise ein &#8220;Instrument, das bereits im Spielen begriffen ist&#8221;. Es w&#252;rde Klang wiedergeben, Musik, wenn wir so m&#246;chten&#8212;gerade so, wie wir es zu spielen &#8220;gelehrt&#8221; haben. Ich werde den Sequenzer konsequenter Weise im Konzert daran hindern m&#252;ssen, meine Komposition exakt wiederzugeben. Die Interaktion besteht also im Konzert darin, Interpretation wirklich werden zu lassen. Das hat im Sinne des Eingriffs etwas Chaotisches, etwas Zerst&#246;rerisches beinahe. Das Arrangement wird ver&#228;ndert, weil es bereits existiert. Dies kann auf vielf&#228;ltige Weise geschehen.  So kann der Sequenzer nahezu beliebig viele Spuren wiedergeben. Im einfachsten Fall ist es m&#246;glich, einfach Life zu entscheiden, welche Spuren (Stimmen) der Sequenzer spielt und welche Stumm bleiben, so als &#228;ndere man das Arrangements einer Orchesterbesetzung noch w&#228;hrend der Auff&#252;hrung. Auch kann nat&#252;rlich zu Bestehendem etwas hinzugef&#252;gt werden, z.B. durch Tasten (eine Klaviatur) oder durch andere technische Eingriffsstellen (mit der Maus und &#252;ber spezielle Controller). Auch ist es m&#246;glich, Vorbereitetes mit life Aufgenommenem zu vermischen. Improvisation kann auf diese Weise wiederholbar gemacht werden&#8212;kann in andere Kontexte gesetzt werden. Wie jedes Instrument erfordert auch der Sequenzer, wenn er nicht gerade einfach zur Wiedergabe eingesetzt wird, ein wenig handwerkliches Geschick. Je nach Entscheidung &#252;ber den Eingriff in das Geschehen kann dies der Arbeit eines Pianisten sehr nahe sein, der eines Tontechnikers, der eines Sounddesigners, eines Programmiers (auch wenn die normalerweise nicht life programmieren). In interessanten Darbietungen mischen sich diese F&#228;higkeiten mehr oder weniger dicht&#8212;je nach F&#228;higkeiten des Interpreten. Die einen werden mehr vorbereiten, andere werden mehr spontan entscheiden. Und schlie&#223;lich h&#228;ngt diese Mischung nat&#252;rlich von der Komposition, also den vorgegebenen Eigenschaften der Musik ab. So vielf&#228;ltig, wie die Einsatzm&#246;glichkeiten des Sequenzers k&#246;nnen hier Entscheidungen vorbereitet werden. Und letztlich  h&#228;ngt davon auch ab, wie wiedererkennbar eine Komposition ist. Wiedererkennbarkeit ist zwar nicht zwingend eine wichtige Eigenschaft von musikalischen Werken, sie wird aber von vielen Zuh&#246;rerinnen und Zuh&#246;rern besonders gesch&#228;tzt. Bis hierhin wird schon klar geworden sein, dass der Sequenzer als Instrument in kleinen Ensembles (oder Solo) besonders interessant ist&#8212;und so auch in Werken, die improvisierende Momente mit sich bringen. Weil der Eingriff des Interpreten so anders ist, als bei klassischen Instrumenten, wird auch der kompositorische Rahmen ein entsprechend weiter gefasster sein. Nur so lassen sich die M&#246;glichkeiten des ungew&#246;hnlichen Instruments vollst&#228;ndig aussch&#246;pfen. Wir werden uns also in Kompositionen &#252;ber die Reichweite der Eingriffsm&#246;glichkeiten und nat&#252;rlich &#252;ber das vorbereitete Material Gedanken machen m&#252;ssen. Sind die angedachten Eingriffe in das Geschehen durch einen Interpreten nicht mehr durchf&#252;hrbar, so kann man&#8212;wie beim Klavier auch&#8212;mehrh&#228;ndige Partituren andenken. Nat&#252;rlich ist der Sequenzer zusammen mit klassischen Instrumenten jeder Art interessant. So k&#246;nnte man Phrasen der anderen Instrumente mit aufzeichnen (ich brauche dazu nur mindestens ein Mikrofon und eine entsprechende Schnittstelle zum Sequenzer: meist ein Audio-Interface), ver&#228;ndert wiedergeben und dies entlang einer Partitur anpassen.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\t<p>Es ist nicht gleich offensichtlich, warum man den Sequenzer&#8212;eigentlich ein Ger&#228;t zur exakten Wiedergabe von Tasten- und Tonman&#246;vern&#8212;auch als Instrument einsetzen kann; nicht mal warum man ihn &#252;berhaupt so bezeichnen kann. 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