{"id":544,"date":"2008-07-10T09:30:54","date_gmt":"2008-07-10T08:30:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/?p=544"},"modified":"2008-07-15T20:30:27","modified_gmt":"2008-07-15T19:30:27","slug":"die-uberlegenheit-des-menschlichen-verstandes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/archive\/544","title":{"rendered":"Die \u00dcberlegenheit des menschlichen Verstandes"},"content":{"rendered":"\t<p>Viele Leute sind so sehr von der &#220;berlegenheit des menschlichen Verstandes &#252;berzeugt, dass sie dar&#252;ber ganz vergessen ihn zu benutzen. Ich glaube nicht mehr wie fr&#252;her, dass es sich dabei um ein&#8212;vielleicht sogar heilbares&#8212;Symptom handelt. Dieser Umstand scheint ein integraler Bestandteil des Verstandes zu sein. Er will nicht benutzt werden. Er (irgendwie operand) und die Umwelt (irgendwie klassisch) belohnen die Nicht-Nutzung auf so auff&#228;llig vielf&#228;ltige Art, dass sie auf immer weniger geheimnisvoll wirkende Weise wie ein unattraktives Geschw&#252;r wirkt. Art und Weise der Funktion! Dass ich nicht lache! Es ist schonmal v&#246;llig unsexy einen Verstand zur Schau zu tragen, es ist v&#246;llig un&#246;konomisch und ebenso h&#246;chst risikoreich, einen solchen offen einzusetzen.<\/p>\n\n\t<p>Besser fahren jene, die ihn hin und wieder gegen Geb&#252;hr verleihen. Ganz richtig! Das f&#252;hrt zu einem intellektuellen Hase und Igel Spiel. Gut, verschafft einem auch nicht mehr Gesellschaft, aber ist &#246;konomisch schon ein kleines Qu&#228;ntchen (sic!) besser. Davon gibt es mehr Ausw&#252;chse als man annehmen will. Man muss indes, wie vielfach erw&#228;hnt, etwas anderes tun als das was man versprochen hat. Sonst kann und will der Laie die Idee nicht kaufen. Weil er sie nicht versteht. Sonst w&#228;r&#8217; er ja andererseits kein Laie. Ist ganz einfach. Und w&#228;r er kein Laie, dann m&#252;sste er nix kaufen (nein, das ist kein Teufelskreis). Macht man das, was man mit dem Laien vereinbart hat, passiert etwas latent tragisches: Nichts funktioniert. Versucht man indes mit dem Laien etwas Brauchbares im Vorfeld zu vereinbaren, kauft er&#8217;s nicht. Weil er&#8217;s nicht versteht. Wenn man also in diesem Prozess ganz ehrlich ist, f&#228;llt man auf die Nase&#8212;genau genommen fallen alle auf die Nase. Oder man k&#228;mpft ehrenamtlich gegen Windm&#252;hlen&#8212;denn: wer w&#252;rde diesen Irrsinn auch finanzieren?<\/p>\n\n\t<p>In einem Fall ist also jemand unzufrieden, weil der Experte die so plausibel klingenden (aber nicht umsetzbaren) Ideen nicht zu einem Guten umsetzen konnte. Im anderen Fall kommt man gar nicht erst dazu, etwas auszuprobieren. Man verkaufe also immer was <em>Plausibles<\/em>, fertige dann aber was <em>Brauchbares<\/em> an. Und alle sind zufrieden. So weit ist das nat&#252;rlich Theorie. Funktioniert deswegen aber. Etwa wie folgt lie&#223;e sich das illustrieren&#8212;oder auch anders, aber jetzt ist es halt so geworden:<br \/>\n<p style=\"text-align: center\"><img src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/kritzel01.jpg\" alt=\"Nebenzeichnung 1\" \/><\/p><br \/>\n<p style=\"text-align: left\">So entstehen hin und wieder aus Verzweiflung, dann und wann aus Verlegenheit, manchmal gar aus Langeweile die Ausbr&#252;che eines Restverst&#228;ndchens. &#252;briggeblieben in der Halbrevolution eines zwar nachmitt&#228;glichen aber gescheiterten Weltrettungsversuchs (halbherzig). Man kann, daraus abgeleitet, nat&#252;rlich auch eine v&#246;llig unsinnige Maschine konstruieren&#8212;und  immer noch v&#246;llig deduktiv:<\/p><br \/>\n<p style=\"text-align: left\">&nbsp;<\/p><br \/>\n<p style=\"text-align: center\"><img src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/unsinnige_maschine.jpg\" alt=\"Unsinnige Maschine\" \/><\/p><br \/>\n<p style=\"text-align: left\">Sie hat, wie &#252;brigens viele erfundene Maschinen, einen weder planerisch noch praktisch erkennbaren Nutzen f&#252;r irgendjemanden, au&#223;er den einer meta-verdrehten Erheiterung, wenn man statt auf des Pudels Kern (der ist seit eh und je langweilig) auf des R&#228;tsels L&#246;sung st&#246;&#223;t. Ein kleiner, aber nicht eben feiner Unterschied. Das Ende der Geschichte ist und bleibt aber klar: Sie kulminiert in einem Weltmodell ohne Inhalte, mit v&#246;llig arbitr&#228;ren Bez&#252;gen, uneinsch&#228;tzbaren Verz&#246;gerungen. Das ist dann eher die komplett chauvinistische Variante des Solipsismus. Wird Inhalt jedwelcher Art <strike>eingef&#252;hrt<\/strike> hineingegeben, kommt vielleicht irgendwann mal irgendwas raus. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Und letzterer Fall ist sogar noch der zutiefst w&#252;nschenswerte. Jedenfalls kann man sich das Modell praktisch etwa so vorstellen (oder halt auch ganz anders, wahlweise):<\/p><br \/>\n<p style=\"text-align: left\">&nbsp;<\/p><br \/>\n<p style=\"text-align: center\"><img src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/gegenstandsloses_sd_modell.jpg\" alt=\"Gegenstandsloses, systemdynamisches Modell\" \/><\/p><br \/>\n<p style=\"text-align: left\">Obwohl: Praktisch ist eigentlich nichts dran. Aber das geh&#246;rt ja so. Denn der Laie trifft die Entscheidung <strike>f&#252;r die<\/strike> anstelle der Experten. Das ist zwar immer wieder richtig dumm, ist aber so. Manchmal hilft es, sich eine <span class=\"caps\">USB<\/span>-Tastatur ins Ohr zu stecken (pluggen).<\/p><br \/>\n<p style=\"text-align: center\"><img src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/usb_ohr.jpg\" alt=\"USB im Ohr\" \/><\/p><br \/>\n<p style=\"text-align: left\">Man sollte bei einer solchen Konfiguration jedoch unbedingt davon absehen, andere mehr als erforderlich auf den verbundenen Instrumenten spielen zu lassen. Das kann wiederum zu absurden Situationen (ja, genau!) oder sogar zu bleibenden Sch&#228;den f&#252;hren (wie vielfach empirisch repliziert). Hey, aber: Karriere ist nicht alles, oder? <bla>Tr&#228;ume sind Sch&#228;ume<\/bla> und F&#228;higkeiten werden ja ohnehin &#252;bersch&#228;tzt. Kausalattributionen sollten (!) hier nat&#252;rlich ebenfalls ohne Verwendung des Verstandes durchgef&#252;hrt werden. Kontingenzen sind doch was f&#252;r Weicheier! Ganz anders wird das Problem von <em>K&#246;nig Hanses dem Ersten<\/em> und der <em>Julia des Mondes<\/em> gel&#246;st. Obschon man dem Bild einen Teil der Tragweite des ganzen Irrtums oder die ganze Tragweite eines Teils des Irrtums entnehmen kann&#8212;aber nur, weil es b&#246;sartigerweise dahingehend bearbeitet wurde. Das verbogene Bildmedium, aber das ist eine andere Geschichte.<\/p><br \/>\n<p style=\"text-align: left\">&nbsp;<\/p><br \/>\n<p style=\"text-align: center\"><img src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/juliahansesusb.jpg\" alt=\"K&#246;nig Hanses I, Julia des Monds mit Tastatur\" \/><\/p><br \/>\n<p style=\"text-align: left\">Hier endet die selbsterheiternde\/~erhaltende Tirade. Aber wir halten soweit fest, dass alles anders wieder gleich zyklisch sich nicht von der Wiederholung ausschlie&#223;en w&#252;rde (<em>W&#252;rde<\/em> des Menschen und der kategorische Konjunktiv). Weil viele Leute so sehr von der &#220;berlegenheit des menschlichen Verstandes &#252;berzeugt sind, dass sie dar&#252;ber ganz vergessen ihn zu benutzen.<\/p><\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\t<p>Viele Leute sind so sehr von der &#220;berlegenheit des menschlichen Verstandes &#252;berzeugt, dass sie dar&#252;ber ganz vergessen ihn zu benutzen. Ich glaube nicht mehr wie fr&#252;her, dass es sich dabei um ein&#8212;vielleicht sogar heilbares&#8212;Symptom handelt. Dieser Umstand scheint ein integraler Bestandteil des Verstandes zu sein. Er will nicht benutzt werden. 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