{"id":943,"date":"2009-06-20T08:03:59","date_gmt":"2009-06-20T07:03:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/?p=943"},"modified":"2009-06-20T08:03:59","modified_gmt":"2009-06-20T07:03:59","slug":"ein-sehr-altes-mosaik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/archive\/943","title":{"rendered":"Ein sehr altes Mosaik"},"content":{"rendered":"\t<p>Die Reise nach Kreta ist ja nun schon wieder etwas her, dennoch sind nat&#252;rlich nach wie vor Dinge offen, die es vielleicht wert sind, erz&#228;hlt zu werden. Ich laufe, wie jeder, oft an grauen Steinen vorbei. In der Regel bleiben sie das. Wenigstens so lange, bis jemand sagt, dass eventuell etwas besonderes an ihnen sei. Wissen allein erhebt sie dann in den Status des Betrachtungsw&#252;rdigen oder Erinnerungsw&#252;rdigen. Wenn real betrachtet, kommen noch jene Konnotationen hinzu, die dem Objekt hernach so viel Unterschied zu vorher verleihen, dass viele M&#252;hen lohnend erscheinen um&#8212;betrachtet man es ahistorisch und ohne jede &#196;sthetik&#8212;einen grauen Stein anzusehen. Das folgende Objekt jener Gattung sei nichts weniger als Europs erstes Mosaik. Und so grau ist es gar nicht.<\/p>\n\n\t<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-944\" title=\"Knossos Mosaik des Minos\" src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kreta2009_knossos_mosaik.jpg\" alt=\"Knossos Mosaik des Minos\" width=\"246\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kreta2009_knossos_mosaik.jpg 246w, https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kreta2009_knossos_mosaik-210x300.jpg 210w\" sizes=\"(max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/><\/p>\n\n\t<p>Meine Reisen in die Vereinigten Staaten haben mich zwar im Hinblick auf Superlative desensibilisiert, es gibt dort ja immer gleich mehrere. Aber es soll mir reichen, wenn dieses hier einfach sehr, sehr alt ist. Wenigstens vor dem Hintergrund europ&#228;ischer Geschichte. Die Asiaten m&#246;gen da wieder schmunzeln. Das Mosaik liegt auf dem Boden des zu einem Gro&#223;teil aus Beton und mit viel romantischer Phantasie rekonstruierten ehedem minoischen Palasts von Knossos. Unsere ortskundige Scholarin war nicht immer einer Meinung mit dem Arch&#228;ologen. Tats&#228;chlich war sie damit sogar sehr unterhaltend. Sie hat und jedoch immer beide Lesarten gezeigt. Und, ich muss es laienhaft zugeben, nicht selten erschienen die arch&#228;ologischen Positionen etwas absurd. Mit der alten Mythologie kannte man sich, wie oft in Griechenland, sehr gut aus. Orthodoxen Kl&#246;stern ist es im wesentlichen zu verdanken, dass viel davon erhalten blieb und sp&#228;ter der &#214;ffentlichkeit zur&#252;ckgegeben wurde. Viel phantasievolle Ausschm&#252;ckung hat sich Arthur Evans bei der Rekonstruktion insgesamt erlaubt, wie man hier im Thronsaal sehen kann:<\/p>\n\n\t<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-946\" title=\"Knossos Thronsaal\" src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kreta2009_knossos_thronsaal.jpg\" alt=\"Knossos Thronsaal\" width=\"350\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kreta2009_knossos_thronsaal.jpg 350w, https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kreta2009_knossos_thronsaal-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n\n\t<p>Und ich kann mir in der Tat vorstellen, dass man sich in Fachkreisen dar&#252;ber vortrefflich streiten kann, und &#252;berhaupt das ganze Gebilde vielleicht f&#252;r einen Affront gegen die hermeneutische Kunst h&#228;lt. Als Laie &#8220;dritter Ebene&#8221; freue ich mich trotzdem &#252;ber etwas mehr Fleisch auf dem Skelett. Man wird andererseits w&#228;hrend der ganzen Tour das Gef&#252;hl nicht los, die ehrenhaften Herren Rekonstrukteure h&#228;tten sich eventuell dazu hinrei&#223;en lassen, hier und da ein paar essentielle Dinge mitgehen zu lassen. Nur so ein Gef&#252;hl.<\/p>\n\n\t<p>In der Festung Knossos kannte man nicht nur Toiletten (gute 3000 Jahre vor Versailles, neuer Palastbau um 1600 <em>vor<\/em>), sondern auch zweifach Abwasser (Regenwasser und verschmutztes Wasser) und ein R&#246;hrensytem f&#252;r flie&#223;endes Zuwasser, auf das man lapidar heruntersehen kann:<\/p>\n\n\t<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-945\" title=\"Knossos Zuwasserroehren\" src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kreta2009_knossos_zuwasser_roehren.jpg\" alt=\"Knossos Zuwasserroehren\" width=\"350\" height=\"182\" srcset=\"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kreta2009_knossos_zuwasser_roehren.jpg 350w, https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kreta2009_knossos_zuwasser_roehren-300x156.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n\n\t<p>Letzteres hat mir schon beim zweiten Gedanken komplett die Sprache verschlagen: Drei verschiedene Wassersysteme. Zum Schluss gibt es dann noch einen Superlativ. Es sei die &#228;lteste befestigte Stra&#223;e Europas, die hier zum Nebenpalast der Ariadne f&#252;hre.<\/p>\n\n\t<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-947\" title=\"kreta2009_knossos_strasse\" src=\"http:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kreta2009_knossos_strasse.jpg\" alt=\"kreta2009_knossos_strasse\" width=\"263\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kreta2009_knossos_strasse.jpg 263w, https:\/\/www.schattenreigen.de\/schattenlog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/kreta2009_knossos_strasse-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 263px) 100vw, 263px\" \/><\/p>\n\n\t<p>Ob&#8217;s stimmt? Es f&#228;llt jedenfalls nicht schwer zu glauben.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\t<p>Die Reise nach Kreta ist ja nun schon wieder etwas her, dennoch sind nat&#252;rlich nach wie vor Dinge offen, die es vielleicht wert sind, erz&#228;hlt zu werden. Ich laufe, wie jeder, oft an grauen Steinen vorbei. In der Regel bleiben sie das. Wenigstens so lange, bis jemand sagt, dass eventuell etwas besonderes an ihnen sei. 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