Beitrags-Archiv für die Kategory 'Rezensionen'

Wiedereinstieg in Atlantis

Dienstag, 29. Juni 2010 8:05

Gleich mit mehreren Zielen vor Augen, einer völlig ahistorischen Esoterik mag’s im Kern zunächst gegolten haben, wirft uns der Schreibblogga(-de) eine postmoderne Aufarbeitung der von Platon auf vielfältige Weise  immer wieder inspirierte Diskussion um jenen Ort/Kontinent, jene Projektionsfläche, die Atlantis genannt wird, an die vergrübelte Stirn. Spielt mit einer Utopie, die nie wirklich eine war. Auf parabelhafte Weise deckt die Analyse gerade so viel über unsere Generation auf, dass man daran — wenn nicht die Ablehnung des Mystizismus — dann aber durchaus eine Anforderung an die Mystik erfährt. Man mag sich beim Lesen zunächst fragen, warum der in frühen Kindertagen nahezu “ausgebildete” Cineast auf diese verlockende Welt der Spendermodelle nicht eingeht. Jedoch würde eine solche Analyse dem Gesagten wenig hinzufügen und allenthalben nur weitere Anekdoten hinzufügen. So bleibt der Entwurf einer Desillusionierung ein glänzender Wiedereinstieg eines schon tot geglaubten virtuellen Orts. Besten Glückwunsch.

Atlantis – Eine kurze Genese

Thema: Rezensionen | Kommentare (0) | Autor: Pablo Pirnay-Dummer

Inglorious Bastards

Donnerstag, 27. August 2009 7:15

So sehr wie dem Schleusenwächter lief mir zwar nicht das Wasser im Mund zusammen. Dazu ist mir das Thema zwar vertraut und gerade aus diesem Grund unheimlich. Jedoch war ich auch überrascht. Vielleicht ist das eine Veränderung bei Herrn Tarantino. Subtil waren die Einstellungen selten gewesen. Umso mehr überascht es, dass vor allem die ruhigen, sprachbetonten Szenen derart gelingen, dass sie grausamer werden als jede Tonne des beim Regisseur so üblichen Theaterbluts. Die furchtbarste Szene gibt es gleich am Anfang. Dass das übliche Suppression-to-Revenge Skript zwar angeschnitten aber nicht (wenigstens nicht in der üblichen Art) ausgespielt wird, tut sein übriges und verweist (am Ende auch sehr offensichtlich) auf die seinerzeit vorhersehbaren (aber nicht vorhergesehenen) Mängel der Vergangenheitsbewältigung.

Mehr Worte ließen sich über bewusst gesteuerte Farbakzente setzen, sind aber in einer Interpretation außerhalb des Films missverständlich und auch gegen Ende nicht so wichtig. Selbstverständlich bedient der Film Clichés. Einige dieser Clichés wären noch zu überwinden, damit das in sich Kaltblütige, das rationionalisierte Vernichten, noch eindrucksvoller wäre. Ob sich das überhaupt filmisch umsetzen lässt, ist eine andere Frage. In den Redewendungen kommen einem auch aktuelle Arten, Furchtbares zu rechtfertigen (mit Sicherheit absichtlich) recht bekannt vor. Aus einer wenig überschaubaren (weil gewaltigen) Menge an restloser Verachtung allen Menschlichen ist es Tarantino gelungen, einen Faden herauszulösen und uns gerade wegen der recht offensichtlichen historischen Abweichung viele noch heute halb-offensichtlich gehaltene Gegebenheiten sozusagen als Bumerang zweiter Ordnung wieder direkt ins Gesicht zu spielen.

Die schauspielerische Leistung des Herrn Walz in diesem Film ist in der Tat beeindruckend, was weniger mundet sondern einen äußerst bitteren Eindruck zeichnet und deswegen sogar über den Film hinaus weist: Im Einzelnen wird das Handeln vorstellbarer (nicht nachvollziehbarer!) und deswegen auch subjektiv noch widerwärtiger.

Kritker haben dem Film bisweilen eine fahrlässige Leichtfertigkeit attestiert (Jens Jessen in DIE ZEIT). Das kann ich in diesem Fall kaum nachvollziehen, obschon andere US-amerikanische Filmproduktionen sich diesem Vorwurf sicher oft zu recht stellen müssen. Wie ein Scherz wirkt Tarantinos Film nun wirklich nicht. Ich verstehe aber wie man das verwechseln kann: Die von Tarantino oft eingesetzte Absurdität großer Gewaltexzesse erzeugt eine stille, unheimliche Verfremdung und weist darauf hin, dass die Gräuel der – auch im Kino nur symbolisch – dargestellten Handlungen im Grunde weder darstellbar noch nachvollziehbar sein können. Das ist zwar nicht der einzige Weg dramaturgischer Analyse von im Grunde Undarstellbarem, aber es ist einer.

Der Film ist durchaus sehenswert. Man muss den Umständen entsprechend viel Gewalt erwarten: Sowohl direkt-grafisch als auch symbolisch als auch sprachlich.

Thema: Rezensionen | Kommentare (0) | Autor: Pablo Pirnay-Dummer

Der ist nicht wie das Buch

Dienstag, 14. Juli 2009 8:43

Mal wieder über Rezensionen gestolpert. Der Film sei nicht wie das Buch und daher schlecht. Rezensenten erwarten allen Ernstes von einem 2-Stunden Film die gleichen tiefgreifenden Erlebnisse, die man mit 20 bis 30 Stunden Buch hat. Komprimiert auf 2 Stunden und transportiert in ein völlig anderes Medium. Kürzungen werden Filmen in der Regel vorgeworfen. Bitteschön, Rezensenten, lest doch Euren geschätzten Roman mal in 2 Stunden laut vor. Einfach so als Experiment. Ich wette Euer Vortrag ist schlechter als das Buch. Nehmt es als Einstieg in eine für Euch neue Überlegung: Die Inhalte zweier völlig unterschiedlicher Medien zu vergleichen ist irgendwie grundsätzlich blöde. Nur wer den Film eigentständig und von Grund auf bewertet, kommt vielleicht zu einem fairen Urteil. Bücher können als Vorlagen höchstens eine vage Inspirationsquelle für Filem sein. Darüber hinaus muss man im Film inbesondere im Hinblick auf vielfältige Innenansichten, interne Analysen, vieles operationalisieren. Wer keine Filme mag, soll sie nicht anschauen. Wer daraus jetzt lesen will, jeder Film sei gut, der irrt allerdings auch.

Thema: Politik und Gesellschaft, Rezensionen | Kommentare (1) | Autor: Pablo Pirnay-Dummer

Danke, Steinberg

Samstag, 21. Februar 2009 12:13

Wenn man das Herz des ganzen, die DAW (Digital Audio Workstation) updaten muss, dann ist das ein ziemlich tiefer Eingriff in das System und das Setup. Danke, Link Steinberg, für ein so reibungsloses Update (Cubase 4 auf Cubase 5). Der große Umfang der zusätzlichen Features und Neuerungen ist das Update für sich genommen mal wieder wert. Dass man die Oberfläche noch einmal besser machen kann, hätte man kaum erwarten dürfen. Trotzdem ist’s gelungen.

Thema: Musik, Rezensionen, Technik | Kommentare (0) | Autor: Pablo Pirnay-Dummer

Eclat ohne Eclat aber nicht mit Ohne

Sonntag, 8. Februar 2009 11:31

Es kam zwar nicht zum Eclat am Eclat. Schade zwar, jedoch war das Konzert mit der Uraufführung von “She cholat ahavah ani” von Matthias Pintscher (32 Stimmen) ein sehr schöner Moment. Nachvollziehbar in allen Bereichen war der programmatische Anteil und die Wahl des “Instruments”, eines großen Individualkorpus aus Stimmen.  Vor allem als beim zweiten Durchlauf (hier hatte man eine intelektuelle Variante der Teletubby-Strategie “nochmalnochmal” zur geeigneteren Erkungung des Werks gewählt) der Chor deutlich entspannter war und damit das Klanggebilde gleichzeitig offener und konsistenter: Das Werk war hier nicht nur auf Rezipientenseite näher, direkter — die Artefakte, die noch beim ersten Mal zu hören waren, waren nun weniger.

Rihms “Fetzen” (1-8) hatten nicht viel Neues zu erzählen — man muss aber verstehen, dass die kleinen Stücke für Streichquartett und Akkordeon bereits 1999-2004 entstanden sind. Die Einordnung der Moderatorin, der Zyklus sei als Modell zu verstehen, kann ich nur insofern nachvollziehen, als dass die im Zyklus selbst enthaltenen Effekte sicherlich universell einsetzbar sind. Weniger aber die darin enthaltene Grammatik oder übergeordnete Struktur. Etwas tatsächlich Modellhaftes im Sinne eines formaleren Einblicks finden wir hier nur in Offensichtlichem. Gerade deswegen vermag diese Musik zu unterhalten, hat eine Wirkung, direkt und wild. Der Rihm nicht selten zueigene Hang zum “Bordunismus” hilft den Werken vermutlich gelegentlich bei ihren Eingängigkeiten, wobei sie nie wirklich einfach werden.

Ein wunderschöner Abend, allemal. Danke, Steffi, für diese schöne Inspiration.

Link Eclat

P.S.: Danke an die Stadt Stuttgart für die verschenkte Doppel-CD mit ausgewählten Werken des Kompositionspreises.

Thema: Musik, Rezensionen | Kommentare (0) | Autor: Pablo Pirnay-Dummer

Fox 28

Montag, 15. September 2008 10:00

Mein Bruder Alex aka Fox 28 macht sehr verschiedene und sehr zu Ende gedachte Dinge auf DeviantArt.

Link fox-28.deviantart.com

Das ist definitiv mehr als einen Blick wert.

Thema: Rezensionen | Kommentare (0) | Autor: Pablo Pirnay-Dummer

Mein Anzug ist größer als deiner

Mittwoch, 7. Mai 2008 8:33

Zu den wohl schlechtesten Filmen aller Zeiten zählt vermutlich Iron Man, der derzeit leider in den Kinos läuft. Dabei er ist er auch nicht kultig-schlecht, erfüllt nicht eine Anforderung für guten Trash. Ich war leider dumm genug einer Empfehlung zu folgen. Dass der Film keine Handlung haben würde, war ja noch klar. Dass er allerdings auch alles andere nicht haben würde, war nicht klar. Einordnen würde ich ihn noch unterhalb des 80er Jahre Machwerks Robocop (der dabei noch deutlich rasanter war). Das ist nicht mal gutes Popkornkino. Da hilft auch Jeff Bridges als böse Variante des väterlichen Nikolaus nix. Auch, dass man den großartigen Cuba Gooding jr. mal wieder in eine völlig belanglose Nebenrolle castet, sollte mehr als genug über den Film verraten (“I need you more than Cuba Gooding needed a better part…”, Team America). Der andere Junior, Robert Downey, kann ja sonst auch ein wenig spielen (wenn nicht gerade…) aber ohne Drehbuch, Plot und mehr hat er’s auch schwer. ILM ist wie gewohnt, nicht schlecht zwar, hat aber auch nicht wirklich Neues zu bieten, so dass sich das eigentlich noch nicht einmal für CG/SFX-Fans lohnt. Über Gwyneth Paltrow will ich eigentlich nichts mehr sagen, denn da ist alles gesagt, und mehr Analyse möchte ich den geneigten Lesern ersparen. Bloß, bitte, an alle mit mehr als 6 Gramm Hirngewicht: Lieber in einen anderen Film gehen. Oder halt wahlweise vorher oder hinterher massiven Alkoholmissbrauch am eigenen Körper anwenden (vorher ist vielleicht lustiger).

Thema: Rezensionen | Kommentare (0) | Autor: Pablo Pirnay-Dummer